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Interview

Vernetzt arbeiten für ein gutes Miteinander

Viele Bildungseinrichtungen vernetzen sich ganz gezielt und greifen selbstverständlich auf externe Ressourcen und Strukturen zurück. Aber wie können Kitas, Horte und Grundschulen ein neues Netzwerk aufbauen, erweitern und pflegen? Nathalie Lebski und Gülten Kara-Schetat, Referentinnen der Stiftung "Haus der kleinen Forscher", geben Impulse für die Netzwerkarbeit.

Kinderhände legen Steine auf ein Netzwerkgeflecht
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Wer sich seiner Position im Netzwerk bewusst ist, kann sich besser orientieren.

Warum sind Kooperationen überhaupt sinnvoll?

Nathalie Lebski: "In Deutschland hängt einfach viel an Bürokratie. Nur ein Beispiel: Wenn es darum geht, wie alt ein Kind ist, das als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen ist, wird das Alter des Kindes geschätzt und daraufhin wird es in die Klassenstufe eingegliedert. Sich im Bürokratiedschungel zurecht zu finden ist nicht einfach. Und es gibt in diesem Bereich viele Themen, die weit über das pädagogische Fachwissen, aber auch die Zuständigkeit der pädagogischen Fach- und Lehrkräfte hinausgeht. Es ist wichtig, Expertinnen und Experten auf verschiedenen Gebieten als Ansprechpartner zu kennen. Hilfreiche Strukturen aufzubauen ist natürlich auch eine Aufgabe für die Politik, aber es braucht im Umkreis der Bildungseinrichtung immer auch Menschen, die sich mit den einzelnen Gerüstbausteinen auskennen. Deswegen, denke ich, ist eine Vernetzung mit Kooperationspartnern sinnvoll."

Ein gutes Netzwerk hilft dabei proaktiv zu handeln.

Gülten Kara-Schetat: "Ein Unterstützungsnetzwerk ergänzt die pädagogische Arbeit der Fach- und Lehrkräfte. Wie genau? Indem es zur Verbesserung der Lebensbedingungen aller Familien beiträgt. Zum Beispiel wenn eine Familie besonderen Unterstützungsbedarf hat und Hilfe benötigt bei der Suche nach passenden Ansprechpartnern. Das Unterstützungsnetzwerk sollte sich aber genauso an den Bedürfnissen der Bildungseinrichtung orientieren. Dann entlastet es letztlich auch das Team."

N. L.: "Ein gutes Netzwerk hilft pädagogischen Fach- und Lehrkräften dabei, proaktiv und selbstbestimmt zu handeln, statt 'Schadensbegrenzung' zu betreiben!"

INFO: Vernetzt arbeiten, was bringt das?

  • neue Kontakte
  • neuen Input
  • neue Sichtweisen kennenlernen
  • Wissensaustausch
  • das Know-how anderer nutzen und das eigene zur Verfügung stellen
  • auf dem Laufenden bleiben
  • die eigene Arbeit sichtbar machen

Netzwerkarbeit kann vor allem in strukturschwachen Regionen sehr hilfreich sein. Kennen Sie Kursangebote und Sprechstunden von Kooperationspartnern? Nehmen Sie teil an Sitzungen und Gremien? Kennen Sie Räumlichkeiten, die von der Stadt und anderen Institutionen zur Verfügung gestellt werden?

Welche Optionen zur Vernetzung habe ich als pädagogische Fach- und Lehrkraft?

Die zwei Frauen stehen in einem Flur und lächeln in die Kamera.
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Nathalie Lebski (links) und Gülten Kara-Schetat

G. K.-S.: "Im Allgemeinen wird unterschieden zwischen sozialen Ressourcen, zum Beispiel anderen Familien, Kolleginnen und Kollegen oder Nachbarschaftsnetzen und professionellen Ressourcen, das sind institutionelle Dienste oder Akteure im Stadtteil. Viele pädagogische Fachkräfte kennen die Fachexperten – beispielsweise für Asylrecht oder Trauma-Bewältigung, Verwaltungsvertretung, betreuende Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter – und verweisen Familien im Bedarfsfall an diese weiter. Das Entscheidende ist: Kenne ich die Ansprechpartner, die ich brauche?

Analysieren Sie: Welche Kontakte haben wir schon, auf wen können wir zurückgreifen? Welche Qualität hat diese Zusammenarbeit? Was fehlt, wen können wir ansprechen? Bauen sie sich gezielt ein Unterstützer-Netzwerk für die Arbeit auf. Und überprüfen Sie regelmäßig das eigene Netzwerk: Die Identifikation der Bedarfe und Bedürfnisse in der Bildungseinrichtung, der wichtigen Kooperationspartner, sind wesentliche Schritt beim Netzwerkaufbau, aber genauso die Aktualisierung und Pflege."

Wie ist es, wenn ich vielleicht nur eine Frage habe und Fachwissen benötige?

N. L.: "Vielleicht gibt es da die Möglichkeit, Paten zu finden: Zum Beispiel einen Kinderarzt, der eine ärztliche Patenschaft übernimmt, jemanden vom Bürgeramt, der sich mit Amtsgeschäften auskennt und jemanden, der mir etwas über einen bestimmten Kulturkreis sagen kann. Oder man baut sich eine Plattform auf, die bei der Beantwortung von Fragen hilft. Wie zum Beispiel: 'Wie komme ich an Dolmetscher?' Es ist einfach wichtig, zu wissen: Wir sind nicht alleine, wir haben Unterstützungspartner und wir wissen, an wen wir uns wenden können."

IDEEN: Mögliche Netzwerkpartner

  • Andere Bildungseinrichtungen
  • Familienzentren
  • Tagespflegepersonen
  • Jugendamt
  • Therapeuten und Familienberatungsstellen/Familienzentren
  • Familiennahe Einrichtungen
  • Familienbildungsangebote
  • Not- und Gemeinschaftsunterkünfte
  • Dolmetscher
  • Stadtverwaltung
  • engagierte Lokalpolitiker
  • Freiberufliche Pädagoginnen und Pädagogen (Musik, Umwelt, ...)
  • Jugendfreizeiteinrichtungen
  • Bibliotheken
  • Altenheime
  • Kinderärzte
  • private Kontakte
  • andere Eltern

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