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Bericht: 3. Arbeitstreffen Service-Portal Integration

Vielfalt in der Grundschule – Einblick ins Klassenzimmer und darüber hinaus

Welche Themen beschäftigen Grundschullehrerinnen und -lehrer, die geflüchtete Kinder in ihrer Klasse haben? Welche Unterstützung wünschen sie sich? 18 pädagogische Fach- und Lehrkräfte haben sich beim 3. Arbeitstreffen des Service-Portals Integration in der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" Berlin ausgetauscht.

Moderatorin und Organisatorin Gülten Kara-Schetat im Gespräch mit Teilnehmerinnen des dritten Arbeitstreffens
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Moderatorin und Organisatorin Gülten Kara-Schetat (Mitte) im Gespräch

"Vielfalt im Klassenzimmer" – das war Thema des 3. Arbeitstreffens der Stiftung "Haus der kleinen Forscher", das sich diesmal vorwiegend an Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer richtete. Thema waren aber auch Übergänge: Von der Kita in die Grundschule, von der Willkommensklasse in die Regelklasse.

Jede Schule ist anders

Gleich die Vorstellungsrunde zeigte: Auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bildeten eine recht heterogene Gruppe. Moderatorin und Organisatorin Gülten Kara-Schetat bat die Anwesenden, sich im Raum auf einer imaginären Deutschlandkarte einzuordnen. Nicht nur waren pädagogische Fach- und Lehrkräfte aus ganz Deutschland angereist, divers waren auch die Rahmenbedingungen in den Klassen und bei der Arbeit. "Jede Schule ist anders", sagte Liza, eine Teilnehmerin aus Siegen. Die Grundlage für einen anregenden Austausch war geschaffen.

Wattebäusche sind der Hit

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 3. Arbeitstreffens probieren Forscherideen mit Filzstift und Wasser aus
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 3. Arbeitstreffens in Aktion

Wie entdecke und forsche ich mit geflüchteten Kindern? Von ihren Erfahrungen in einer Bedarfsorientierten Erstaufnahmestelle in Mannheim erzählte die Netzwerkkoordinatorin Barbara Hackbarth. Über spannende Aha-Erlebnisse kommen die Kinder zum Sprechen, weiß Barbara zu berichten. Anfangs trauten sich die Kinder nicht immer gleich, etwas frei auszuprobieren, dies ändere sich aber mit der Zeit. Bis dahin legt Barbara Entdeckungskarten aus und die Kinder schauten neugierig, welche Ideen darauf zu sehen sind. Besonders passend sei es in diesem Rahmen, dass ganz im Sinne der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" vorwiegend mit Alltagsmaterialien gearbeitet wird, findet Barbara. Besonders Wattebäusche sind bei den Kindern sehr beliebt: "Wo kann man die kaufen?", fragen die Kinder, wenn Barbara welche mitbringt.

Natürlich blieb es nicht bei der Berichterstattung. Gleich im Anschluss legten alle selber Hand an und tauschten sich dabei aus.

Ein Austausch zu den aktuellen Herausforderungen

Gruppenbild aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 3. Arbeitstreffens
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 3. Arbeitstreffen

Schließlich wurde das Themenfeld ausgeweitet: Welche Herausforderungen sind aktuell die größten? Und welche Hilfsmittel werden bereits genutzt? Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer trugen Themen zusammen und tauschten sich zu drei davon in Gruppenarbeit besonders intensiv aus: Welche Unterstützung bekomme ich an meiner Schule? Wie erreiche ich die Eltern? Und mit welchen Möglichkeiten fördere ich ein friedliches Miteinander?

Beim Vorstellen verschiedener Ansätze und Methoden wurde deutlich: Oft ist nicht klar, welche Hilfsangebote überhaupt zur Verfügung stehen; und das mitunter sogar, wenn diese von der eigenen Schule oder Kommune angeboten werden. Denn es ist nicht nur so, dass jede Schule anders ist, sondern mitunter ist der "Organismus" Schule sehr komplex. Austausch und Kommunikation – ob mit Kindern, Eltern oder Kolleginnen und Kollegen – sind der Schlüssel zum Gelingen.

Das Projekt "Back on Track" stellt sich vor

Nach einer kleinen Pause, in der der Austausch rege weiter ging, stellte sich das Projekt "Back on Track" vor. "Back on Track" macht Kindern und Jugendlichen, die durch Krieg und Flucht zum Teil über Jahre nicht zur Schule gehen konnten, ein Angebot zum angeleiteten Selbstlernen. Erfahrene pädagogische Fach- und Lehrkräfte stufen die Kinder in Schlüsselfächern ein und gleichen Inhalte arabischer Schulbücher mit deutschen Unterrichtsinhalten ab. Die arabischen Materialien werden online kostenlos zur Verfügung gestellt. So können die Kinder fehlenden Unterrichtsstoff eigenständig oder gemeinsam nachholen. Einmal pro Woche am Wochenende können sie zusätzlich Unterstützung durch Mentorinnen und Mentoren vor Ort erhalten.

Einblick in das syrische Bildungssystem

Die syrische Referentin Deyana Zughbi von "Back on Track" gab den Teilnehmerinnen und Teilnehmern dann noch einen spannenden Einblick in ihre persönlichen Erfahrungen mit dem syrischen Bildungssystem: Kinder in Syrien gehen oft erst mit vier Jahren in den Kindergarten. Dort steht die Vorbereitung auf die Grundschule im Vordergrund: Es wird Lesen, Schreiben und Rechnen geübt. Besonders interessiert nehmen die Teilnehmenden des Arbeitstreffens auf, dass Deyana selbst ein Jahr früher, mit fünf Jahren, in die Schule gehen durfte, da ihre Mutter Lehrerin war. Die Grundschule geht von Klasse 1 bis 6, danach folgt die Sekundarstufe mit den Klassen 7 bis 9. Nach der zentralen Mittelschulprüfung können die Schülerinnen und Schüler in die allgemeine Oberstufe wechseln und nach zwölf Schuljahren das Zentralabitur machen. Für ein darauf folgendes Studium sind die Noten entscheidend.

Referentin Deyana Zughbi steht vor der Gruppe und berichtet über das syrische Bildungssystem
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Referentin Deyana Zughbi gibt einen spannenden Einblick in das syrische Bildungssystem

Gibt es einen besonders auffälligen Unterschied zwischen dem deutschen und dem syrischen Bildungssystem? "Die Eltern in Syrien beklagen sich, wenn die Kinder zu wenige Hausaufgaben bekommen", sagte Deyana lachend. "Das ist wirklich anders als hier in Deutschland." Sie ergänzte: "Bildung ist vielen syrischen Eltern sehr wichtig. Wenn es keine Möglichkeit gibt zu lernen, gibt es keinen Grund zu leben."

Fazit: Wir sind viele!

Ein spannender Tag geht zu Ende. Das Fazit? "Ich fühle mich jetzt besser gewappnet und freue mich richtig darauf, die Ideen umzusetzen, von denen ich gehört habe", sagt die Grundschullehrerin Marion. Birgit aus Berlin fügt hinzu: "Wir sind viele und wir können voneinander profitieren!"

Daher ist auch schon fest geplant, dass es ein 4. Arbeitstreffen in der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" geben wird: im Herbst 2018.

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