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Bericht: Regional-Treffen NRW

MINT und Sprache im interkulturellen Kontext

"Alltagsintegrierte Sprachförderung. . ." – Prof. Dr. Ute Ritterfeld sprach nicht weiter und ließ den Begriff erst einmal im Sitzungsaal der Sternwarte Bochum stehen. Es klang etwas mit, von dem nicht klar war, ob es ein Ausrufe- oder Fragezeichen war. Auf dem Regional-Treffen der "Haus der kleinen Forscher"-Netzwerke aus Nordrhein-Westfalen sensibilisierte die Wissenschaftlerin von der TU Dortmund für die Unterschiede zwischen Alltagssprache und Bildungssprache, doppelte Erstsprachigkeit und Zweitspracherwerb.

Eine Weltkugel, eine Frau zeigt mit dem Finger auf die Türkei.
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Gülten Kara-Schetat von der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" stellte auf dem Regional-Treffen in NRW das Service-Portal Integration vor.

"Alltagsintegrierte Sprachförderung ist ein Begriff, den ich selten verwende." Prof. Dr. Ute Ritterfeld sprach nach einer kurzen Pause ihre Gedanken aus: "Zeichnet sie sich dadurch aus, dass nicht explizit eine Sprachförderung angedacht ist? Diese Bezeichnung ist für mich ein Oxymoron – sie hebt sich selbst auf, denn meine Philosophie ist, dass jede Art von Kommunikation die Sprache fördert." Den Unterschied mache immer das jeweilige Bildungsziel, das der Pädagoge verfolge.

Hören, Sprechen, Interaktionen

Das Regional-Treffen in der Sternwarte in Bochum stand unter dem Motto "MINT und Sprache im interkulturellen Kontext" (MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Prof. Dr. Ute Ritterfeld sensibilisierte die Zuhörer für den Unterschied zwischen Alltagssprache und Bildungssprache, doppelter Erstsprachigkeit und Zweitspracherwerb, wann Kinder wie Sprachen lernen und betonte, wie wichtig Motivation und Neugierde der Kinder sei: "Immer, wenn ich etwas wissen will, lerne ich."

Eine Geschichte immer und immer wieder zu hören ist so wichtig!

Das mache auch das Forschen so wertvoll, "denn da will ich etwas heraus finden", und genau deswegen habe ihr Lehrstuhl eine Reihe von Hörspielen für Drittklässler erstellt: die "Wetterschacht-Detektive".

"Vielleicht wundern wir Erwachsenen uns, dass wir Kindern immer und immer wieder eine bestimmte Geschichte vorlesen sollen, oder dass sie ein bestimmtes Hörspiel rauf und runter hören. Aber genau das ist so wichtig: Wenn Sie eine Geschichte immer und immer wieder hören, was passiert dann? Genau! Sie können sie auswendig. So erwerben sie Sprachkompetenzen auf verschiedenen Ebenen." Das Fernsehen könne das so nicht leisten. Aus einem einfachen Grund: "Wenn ich die Bilder dazu geliefert bekomme, brauche ich die Sprache gar nicht so sehr, um mich unterhalten zu fühlen."

Die Vorstellung – auf Türkisch

Portraitbild von Professorin Ute Ritterfeld
Prof. Dr. Ute Ritterfeld

Gülten Kara-Schetat, Referentin der Stiftung für Elternarbeit und kulturelle Integration, hatte ins Thema eingeführt, indem sie ihren Vortrag auf Türkisch begann – und schnell in verdutzte Gesichter schaute. "Genauso wie Sie sich jetzt und hier in diesem kurzen Moment fühlen, so fühlen sich die Menschen, die kein Deutsch sprechen. Jeden Tag. Wir als Stiftung wollen unseren gesellschaftlichen Beitrag leisten und haben uns gefragt: Was können wir tun?" Die Antwort liegt in dem Service-Portal Integration und dem damit verbundenen Versuch, pädagogische Fach- und Lehrkräfte bei der Integration geflüchteter Kinder zu unterstützen. Aber auch die Netzwerke in den Regionen sind aktiv geworden.

Veronika Droste vom Netzwerk Kreis Borken stellte das Konzept ihrer Fortbildungen vor, in denen MINT-Themen mit Sprache verbunden werden: "Diese Workshops dauern nur einen halben Tag und werden von einem unserer Trainer und einem Sprachreich-Trainer, also einem Logopäden, konzipiert und gegeben", berichtete Veronika Droste.

Forschen im Deutsch-Intensivkurs und "Frieda – Das Forschermobil"

Und auch in der StädteRegion Aachen verbindet das Netzwerk MINT und Sprache ganz konkret: Koordinatorin Nadejda Pondeva zeigte ein Video aus dem Deutsch-Intensivkurs der Grundschule Hermannstraße in Stolberg: Dort unterstützt Lea Erkens, Trainerin vom "Haus der kleinen Forscher", einmal im Halbjahr die Lehrer und Lehrerinnen für Deutsch als Zweitsprache im Unterricht.

Zum Abschluss des Regional-Treffens hielt "Frieda – Das Forschermobil" vor der Sternwarte: Das von der Arbeiterwohlfahrt geförderte Projekt ist eine mobile Kita, in der Kinder aus Notunterkünften betreut werden, die noch keinen Kindergartenplatz bekommen haben. Mit im Gepäck von Jana Schlüter und Beate Eisentraut als eines von vielen Angeboten: Forscher-Ideen vom "Haus der kleinen Forscher".

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