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Interview

Wie gelingt interkulturelle Kommunikation?

Kommunikation ist wichtig – nicht nur in Kita, Hort und Grundschule, sondern überall. Aber wie gelingt Kommunikation trotz Sprachbarriere, zum Beispiel bei der Elternarbeit? Kommunikationstrainer Erik Dancs und Erwachsenenbildnerin Anne Gurzeler stellen wichtige Maßnahmen zur Verständnissicherung vor.

Warum ist interkulturelle Kommunikation besonders schwierig?

Liste mit Seminarideen für eine gelungene Interkulturelle Kommunikation
© Erik Dancs
Seminarideen für eine gelungene interkulturelle Kommunikation

Erik Dancs: "Jeder von uns kennt Situationen, in denen ein Gespräch nicht gut gelungen ist – und das ist ganz unabhängig vom kulturellen Hintergrund des Gesprächspartners. Aber die besondere Herausforderung der interkulturellen Kommunikation liegt darin, dass es noch leichter zu Missverständnissen kommen kann als ohnehin schon: durch sprachliche Schnitzer, aber auch durch unterschiedliche Ausdrucks- und Handlungsweisen."

Was ist unter Ausdrucks- und Handlungsweisen zu verstehen? Können Sie ein Beispiel nennen?

Anne Gurzeler: "Darunter fällt die nonverbale Kommunikation, wie Mimik und Gestik. Das alles ist sehr bedeutend in der Interaktion mit anderen Menschen. Aber es sind Verhaltensmuster, die wir in der frühesten Kindheit lernen. Vor vielen Jahren habe ich mit einer Frauengruppe in Bulgarien gearbeitet. Wenn ich mit den Frauen gesprochen habe, habe ich immer in freundliche Gesichter geblickt. Und dann war ich sehr irritiert, dass die Frauen bei jedem Vorschlag, den ich gemacht habe, den Kopf geschüttelt haben. Bis ich nachgefragt habe: In Bulgarien bedeutet Kopfschütteln "ja" und Kopfnicken "nein", es ist also genau anders herum als in Deutschland."

Gemaltes Bild einer Weltkugel, auf der sich Strichmännchen die Hände reichen.
© istock/professor25
Wir möchten uns alle miteinander verständigen. Wie gelingt das am besten?

Und wie kann ich mir helfen, wenn ich die Sprache des anderen nicht spreche?

E. D.: "Die Sprache ist natürlich ein ganz wichtiges Kommunikationsmittel. Aber es ist ja nicht das einzige.  Wichtig ist auch das Herz! Das bedeutet, dass ich mein Gegenüber erst einmal so annehme, wie er oder sie ist und nicht versuche, ihn oder sie zu formen beziehungsweise zu manipulieren. Nur wenn der Mensch im Vordergrund steht, kann Kommunikation gelingen. Der kulturelle Hintergrund, das ist natürlich auch wichtig, das lässt sich nicht beiseiteschieben. Aber wenn ich mein Gegenüber mit seinen Bedürfnissen annehmen kann, dann spielt die Sprache auch nicht so eine Rolle. Dann wird man auf jeden Fall auf einer anderen Ebene gut miteinander kommunizieren können und eine Beziehung aufbauen."

A. G.: "Das stimmt. Beziehungsaufbau ist ein wichtiger erster Schritt, damit Menschen überhaupt ihre ehrlichen Bedürfnisse äußern. Versuchen Sie in einem ersten Gespräch eine Beziehung zu knüpfen und versuchen Sie, nicht gleich Probleme zu wälzen."

Haben Sie weitere, konkrete Tipps?

Fragen Sie nach – das ist die wichtigste Maßnahme zur Verständnissicherung.

A. G.: "Stellen Sie vorab fest, über welche Kenntnisse und Fähigkeiten Sie und ihr Team verfügen sollten, um der sozialen, sprachlichen und kulturellen Vielfalt von Kindern und deren Eltern gerecht zu werden. Und besprechen Sie gemeinsam: Welche Fragen kann ich mir stellen, um mir meiner eigenen Rolle bewusst zu werden? Wie erkläre ich den Eltern meine Rolle und meine Aufgaben? Die Eltern sollten wissen, was Ihre Aufgaben sind und was nicht. Und trauen Sie sich, während des Gespräches Unsicherheit zu zeigen und stellen Sie immer wieder Fragen. Fragen Sie nach: Habe ich das jetzt richtig verstanden? Das ist die wichtigste Maßnahme zur Verständnissicherung. Formulieren Sie am Ende des Gespräches gemeinsame Ziele. Dazu müssen Sie aber für sich selber klar definiert haben: Was will ich von meinem Gegenüber und was will mein Gegenüber von mir?"

E. D.: "Stimmt. Das ist ganz wichtig! Vor einiger Zeit habe ich mit deutschen und geflüchteten Menschen einen Bauwagen renoviert und wir haben darin ein kleines Café eingerichtet. Keine fünf Minuten entfernt davon befand sich ein Flüchtlingsheim, aber die Menschen dort haben das Café einfach nicht angenommen. Erst war ich enttäuscht. Also habe ich einfach noch einmal mit den Menschen dort gesprochen und nach ihren Bedarfen gefragt. Und sie haben sie mir mitgeteilt. Inzwischen wird der Bauwagen gut angenommen. Wir bieten Schachunterricht an, Beratungen für geflüchtete Frauen und es gibt auch einen Sprachtreff."

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