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Interkulturalität fördern –
Tipps für eine gelungene Kinderfreizeit

Die Pädagogin Thania Hafez hat eine Feriengruppe mit 22 Kindern aus Syrien, Eritrea, dem Iran und Afghanistan in den Odenwald begleitet. Die Auszeit in der verschneiten Winterlandschaft war für die Kinder neu und sehr bereichernd. Auch Thania Hafez selbst hat eine Menge dazu gelernt. Was, das verrät sie hier.

Eine Gruppe Kinder spielt in einer Winterlandschaft
Die Kinder entdecken den Schnee: Eine gelungene Kinderfreizeit im Odenwald

Entwickle ein kulturelles Verständnis, um individuell auf jedes Kind einzugehen

"Um mein Team ein Stück weit für die Hintergründe und die Situation der Kinder zu sensibilisieren, habe ich eine Vorab-Schulung gemacht. Ich habe die Jugendkursleiter gefragt, ob sie eine Idee haben, wie die Menschen in den Heimatländern der geflüchteten Kinder leben und wie die aktuelle Lage dort ist. Sie sollten sich überlegen, was es heißt zu flüchten und was das in einem auslösen kann. Was sind die kulturellen Unterschiede? Was sind Gemeinsamkeiten?

Die Schulung habe ich mit einem Frühstück eingeleitet. Ich habe Sachen aufgetischt, die es in den Heimatländern der Kinder gibt: Schwarzen Tee, Hummus, viel Gemüse und Brot. Besteck gab es keins, dafür war das Brot da. Es geht dabei darum, die traditionelle Normalität an die Teamer heranzuführen und ihnen eventuelle Hemmschwellen zu nehmen. Ich wollte sie dafür sensibilisieren, individuell auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder einzugehen. Jedes Kind hat einen ganz anderen Bedarf, ganz andere Erfahrungen und auch andere Traumatisierungen. Und doch hat jedes Kind das Bedürfnis nach Wärme und Geborgenheit – wie wir auch."

Ziehe dich als Teamleitung zurück und lasse den Kindern Freiheiten

"Damit die Kinder sich nicht nur an die ältere Person bzw. die Teamleitung wenden, ist es für das Team und die Kinder hilfreich, sich etwas zurückzuziehen. Die Kinderfreizeit ermöglicht den Kindern, sich sowohl individuell zu entwickeln als auch gemeinsam auszutauschen. Viele Kinder haben es genossen, angstfrei spielen zu können. In diesem geschützten Rahmen habe ich sie als gesprächsbedürftig und gesprächsbereit erlebt. Viele der Kinder haben im Vergleich zum Hier und Jetzt über Ereignisse auf der Flucht erzählt, die sie beschäftigen."

Ziehe Sprachunterstützer nur hinzu, wenn es wirklich nötig ist

"In meiner ersten Kinderfreizeit mit geflüchteten Kindern hatte ich Sprachunterstützer, also Dolmetscher, dabei. Das hatte zur Folge, dass wir als Team nicht angenommen wurden, weil wir die Sprache nicht sprechen konnten. Die Kinder haben sich auch keine Mühe gemacht, sich mit uns zu unterhalten. Dieses Mal hatten wir Sprachunterstützer in Bereitschaft, falls es zu Problemen gekommen wäre. Die Kinder haben aber gut genug deutsch gesprochen und sich gegenseitig unterstützt. Als der Sprachunterstützer einen Tag dabei war, ist kein Kind auf ihn zugekommen, da kein Bedarf da war."

Begib dich auf Augenhöhe der Kinder

"Es ist wichtig, die Kinder immer ruhig anzusprechen. Ernst und ruhig. Die Kinder haben schon so viel erlebt, dass es in den meisten Fällen nichts bringt, lauter zu werden. Wenn du sie anschreist, blocken sie ab und ignorieren dich."

Du darfst auch Zugeständnisse machen

"Auf den Kinderfreizeiten gibt es eigentlich immer roten Tee ohne Zucker. Bei uns wurde dieser Tee zum Diskussionspunkt: Die Kinder wollten schwarzen Tee mit Zucker, weil sie es so kennen. Das ist für sie normal. Um einen Konflikt zu vermeiden, habe ich jeden Morgen eine große Kanne schwarzen Tee gemacht und diesen mit Stevia gesüßt. Das war mein Zugeständnis, der für alle einen guten Kompromiss darstellte."

Bilde gemischte Gruppen

"Ich würde nicht empfehlen, die Kinderfreizeiten nur mit geflüchteten Kindern zu gestalten, wie es bei unserer Freizeit der Fall war. Es ist wichtig, Interkulturalität zu verstehen und zu fördern. Die Kinder lernen dies am besten im direkten Austausch miteinander. Ein Austausch muss von beiden Seiten kommen. Dabei ist es auch wichtig, die Eltern einzubinden. Dazu kann man vorher ein gemeinsames Kennenlernen veranstalten, damit sich das Team vorstellen kann und die Eltern wissen, wo sie ihre Kinder hinbringen und was sie erwarten können."

Löse kulturelle Missverständnisse und Misstrauen mit Ruhe

"Es ist immer ein schmaler Grat zwischen Vertrauen schaffen und Vertrauen ausnutzen. Durch die verschiedenen kulturellen Hintergründe kommt es gelegentlich zu Missverständnissen. Die Kinder legen es dann oft so aus, als möge man keine Flüchtlinge. Darauf sollte man sich gar nicht erst einlassen, sondern Ruhe ausstrahlen. Man darf nicht mit Härte reagieren. Wenn Misstrauen, zum Beispiel durch Sprachschwierigkeiten entsteht, muss man schnell eingreifen und Kommunikationsregeln aufstellen. Bei kulturellen Konflikten innerhalb der Gruppe, sollte man die Kinder aus der Gruppe herausnehmen und mit ihnen alleine sprechen."

Basteln, Experimentieren und Entdecken beeindruckt die Kinder

Mädchen basteln Puppen aus Gips
Die Kinder haben Spaß am Basteln mit Naturmaterialien.

"Die Kinder hatten großen Spaß beim Basteln. Die Mädchen haben sich Puppen aus Gips gebastelt, die Jungen mit Fundstücken aus der Natur experimentiert. Sehr beeindruckt hat alle Kinder das Spielen im Schnee. Dabei war völlig egal, wer mit wem zusammenspielt. Das ist im Vergleich zu den üblichen Vertrauensspielen oder ähnlichen Situationen eher ungewöhnlich. Im Wald haben wir Bäume betrachtet, gefühlt und überlegt, wie sie leben. Der Förster hatte ein schönes Experiment vorbereitet, welches allen im Kopf geblieben ist: Die Kinder haben Baumscheiben einer Rotbuche auf einer Seite mit Spülmittel und etwas Wasser eingerieben. Dann haben sie die saubere Seite der Baumscheibe an den Mund gehalten und kräftig gepustet. Alle waren ganz begeistert, als daraufhin Seifenblasen entstanden sind. Noch lange werden die Kinder sich daran erinnern, dass Wasser und Nährstoffe im Baum durch Röhren transportiert werden."

Thania Hafez

Die Pädagogin organisierte in Zusammenarbeit mit der Stadt Darmstadt und dem KuBuS e.V. die Kinderfreizeit mit 22 Kindern aus Syrien, Eritrea, Iran und Afghanistan in die Lindenfelser Winterlandschaft.

Mehr Informationen zu KuBus e.V. und dem Albert-Schweitzer-Haus in Lindenfels finden Sie hier.

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