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Interview mit Fredrik Vahle

Warum die Verbindung von Sprache, Bewegung und Musik so wichtig ist

Häufig begleiten pädagogische Fachkräfte in Kita, Hort und Grundschule das eigene Handeln mit kleinen Reimen oder Liedern und verknüpfen dabei instinktiv Sprache, Musik und Bewegung miteinander. Der Kinderliedermacher Fredrik Vahle erklärt im Interview, warum genau dieses Vorgehen so wichtig ist, wenn Kinder Sprache lernen sollen und wir sie erreichen möchten.

Teilnehmer eines Seminars von Fredrik Vahle tanzen.
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Bei Seminaren von Fredrik Vahle werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiv

Über Fredrik Vahle

Fredrik Vahle ist bekannt durch seine Kinderlieder und -bücher. Gemeinsam mit Christiane Knauf veröffentlichte er 1973 mit "Die Rübe" eine erste Kinderplatte. Vahle promovierte in Soziolinguistik und verfolgte sein Interesse für Kinderlieder in einer Habilitation über Kindersprache und Kinderlied. Er ist als außerplanmäßiger Professor für Germanistik an der Universität Gießen tätig.

  • Buchempfehlung zum Thema: Fredrik Vahle: Sprache mit Herz, Hand und Fuß. Wege zur Motorik der Verbundenheit, Verlag: Beltz; 1. Aufl. 2010, Weinheim.

Ist Musik etwas, das Kulturen miteinander verbindet?

Fredrik Vahle: "Ja, selbstverständlich! Musik verbindet Kulturen, weil Musik viel mit Rhythmus und Melodik zu tun hat. Das ist etwas, das unmittelbar wirkt."

Kann Musik aus anderen Kulturen auch befremdlich wirken?

F. V.: "Im arabischen Raum werden auch Vierteltöne genutzt, das erzeugt eine andere Stimmung. So kann das Arabische passender sein, um eine dramatische Stimmung auszudrücken. Passender als eine C-Dur-Tonleiter zum Beispiel, mit der sich eher heitere Dinge ausdrücken lassen. Entscheidend ist: Kinder hören gerne Lieder, die sie schon kennen, aber Kinder sind auch neugierig. Diese beiden Dinge muss man immer auf der Scheibe haben, wenn man mit Kindern musiziert."

Warum sollten wir, wenn Kinder die deutsche Sprache lernen, Sprache, Bewegung und Musik miteinander verbinden?

Sprache hat mit Musik und Rhythmus zu tun – nicht aber mit Grammatikregeln oder Vokabeln.

F. V.: "Sprache beinhaltet unterschiedliche Mittel der Kommunikation: Gesten und Mimik, Laute und Gebärden, Körperhaltung und Bewegung. Üben wir mit den Kindern gemeinsam Lieder und Melodien werden die artikulatorischen Muskeln trainiert. Denn es ist ja so: Sprache ist ein Bewegungsphänomen und hat mit Musik und Rhythmus zu tun – nicht aber mit Grammatikregeln oder Vokabeln. Wenn Kinder eine Sprache lernen, dann lernen sie die Beherrschung einer sehr feinen Artikulationskultur, die sie befähigt, aus einem ganz begrenzten Lautinventar unendlich viele Wörter zu bilden. Und das machen Kinder mit großer Intensität. Da geht es aber nicht darum, dass die Kinder ein Vokabular lernen, sondern dass die Kinder Artikulationsarten lernen. Und dann explodiert der Wortschatz und sie eignen sich viele andere Worte an. Aber zunächst mal ist es eine Art Muskeltraining."

Wie kann das konkret aussehen?

F. V.: "Ich habe da so ein Lied: 'Tiger, Oma, Samurai.' Das wird durch Gesten begleitet, und auch wenn die Kinder kein Deutsch kennen, merken sie: 'Ah, da kommt der Tiger.' Dann lernen sie die Vokabel über die Gestik und über das Lied. Es muss aber ein sehr einfaches Lied sein und es muss eine direkte Entsprechung geben von Bewegung und Sprache. Leider gibt es nicht so viele passende Lieder, aber wenn die Kinder ein Lied haben, das ihnen gefällt, dann wollen sie das immer wieder machen. Und die Wiederholungen sind auch sehr wertvoll."

Wie kann ich mit Kindern musizieren, wenn ich selbst ganz unmusikalisch bin?

Fredrik Vahle musiziert mit Gitarre.
Fredrik Vahle in Aktion.

F. V.: "Ich versuche an Erzieherinnen und Erzieher weiterzugeben, wie Körperbewegungen, insbesondere auch Hand- und Fingerspiele, dazu benutzt werden können, um den Kindern Lautsprache beizubringen. Am Anfang steht also die reine Bewegung, zum Beispiel Fingerübungen. Erst danach kommen Worte und Geschichten dazu. Pädagogische Fachkräfte können außerdem die Klatschtonleiter nutzen. Und nicht zuletzt gibt es Instrumente, die nenne ich NWN-Instrumente, das steht für No Wrong Notes. Zum Beispiel das 'Klingeling', eine Art Windspiel, das auch 'Shanti' genannt wird."

Die Klatschtonleiter

Die Klatschtonleiter orientiert sich an den fünf Vokalen UOAEI:

  • TUK: Die Handballen werden aufeinandergeschlagen, mit den Händen wird ein U geformt.
  • TOK: Die leicht gewölbten Hände werden über Kreuz aufeinandergeschlagen.
  • TAK: Die Hände werden flach und ganz aufeinandergeschlagen.
  • TEK: Die Finger der rechten Hand schlagen in den Handteller der linken Hand, also in die halbe Hand.
  • TIK: Der Handrücken der rechten Hand schlägt in den Handteller der linken, wird die Hand gespannt, entsteht ein etwas höherer TIK-Ton.

Wie könnte ein gemeinsames "Musizieren" ohne Instrumente aussehen?

F. V.: "Es gibt da ein Begrüßungsspiel: Alle stehen im Kreis und alle sind der Reihe nach dran. Jeder sagt: 'Ich heiße Fredrik (bzw. den eigenen Namen) und wie heißt du? Und dabei zeigt man erst auf sich und dann auf den Nächsten. Und dann geht es reihum: auf Deutsch, in einer Fremdsprache, in der Muttersprache, in einer Fantasiesprache, laut gerufen oder gesungen, mit Klatschen … unzählige Varianten sind denkbar."

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