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Tipps

Gemeinsam Essen in der Kita – Halal und Ernährung

Das gemeinsame Essen in der Kita kann sich durchaus herausfordernd gestalten: Fast alle Kinder haben spezielle Essensvorlieben, einige Kinder Allergien und Unverträglichkeiten, und manche Kinder folgen religiösen Speisegeboten. Wir stellen muslimische Speisegebote, deren Hintergründe und ihre Bedeutung für die Praxis vor. 

Verschiedene Hände tun sich Fladen und Creme auf die Teller
© iStock
Für viele Muslime ist es wichtig, dass das Essen halal ist © istock.com/Pamela Joe McFarlane

Was bedeutet Halal?

"Halal" ist ein arabisches Wort und bedeutet so viel wie "erlaubt" oder "gestattet". Aus islamischer Sicht umfasst dies alle Dinge und Handlungen, die für Muslime zulässig sind. "Haram" hingegen bezeichnet alle Dinge, die aus religiöser Sicht für Muslime nicht zulässig sind. Diese religiösen Praktiken leiten sich aus dem Koran sowie den Aussagen des Propheten Mohammed ab und haben Auswirkungen auf viele Bereiche des Alltags. Sie betreffen zwischenmenschliche Beziehungen, Kleidung oder auch die Ernährung.

Islamische Speisegebote

Für Muslime gelten deshalb auch besondere Speisegebote.  Diese Gebote legen fest, welche Nahrungsmittel erlaubt sind und welche nicht. Prinzipiell sind die Gebote von großer Bedeutung – obwohl sie in unterschiedlichem Maße befolgt werden.

Viele Muslime verzichten aber beispielsweise auf den Verzehr von Schweinefleisch und Nebenprodukten vom Schwein, wie Gelatine. Zudem wird darauf geachtet, dass Fleisch anderer Tiere nach islamischem Ritus geschlachtet wurde. Gemäß vieler Auslegungen ist auch Alkohol verboten. Wie streng diese Gebote ausgelegt und befolgt werden, ist individuell und von Familie zu Familie verschieden: Einige Muslime beziehen die Gebote ebenfalls auf Produkte jenseits der Ernährung und vermeiden etwa Medikamente oder Pflegeprodukte, die Alkohol enthalten, aber auch Materialien wie Schweineleder.

Unterschiede zwischen den Konfessionen

Nach einer Studie des "Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge" (S. 153) lassen sich außerdem deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen islamischen Konfessionen erkennen: Fast alle Sunniten (91 Prozent) halten sich an islamische Speisevorschriften. Für Schiiten (60 Prozent) und Aleviten (49 Prozent) ist deren Befolgung weniger wichtig.

Aus diesem Grund sind in Kitas und Schulen individuelle Absprachen mit Eltern von Bedeutung.

Die Expertin

Wir danken Frau Prof. Dr. Paula Schrode für ihre fachliche Unterstützung. Frau Schrode arbeitet als Professorin für Religionswissenschaft mit Schwerpunkt Islamische Gegenwartskulturen an der Universität Bayreuth.

Grundsätzlich sind folgende Lebensmittel haram (verboten)

Fleisch

  • Fleisch von Raubtieren
  • Schweinefleisch
  • Fleisch und Blut von nicht halal-geschlachteten (nicht geschächteten) Tieren


Gelatine

Gelatine wird meist aus Nebenprodukten des Schweins hergestellt. Es kann enthalten sein in:

  • Pudding
  • Fruchtgummi
  • Joghurt
  • klaren Säften
     

Manche Säfte werden mit Hilfe von Schweinegelatine gefiltert, zum Beispiel klare Apfelsäfte und auch einige Fruchtsaftgetränke. Allerdings besteht keine Kennzeichnungspflicht. Daher ist eigene Recherche notwendig.

Alkohol

  • alle alkoholischen Getränke
  • Getränke, denen Alkohol entzogen wurde, z.B. alkoholfreies Bier
     

Käse

  • Käse, der mit Lab von nicht halal-geschlachteten Tieren hergestellt wird

Lab muss auf Verpackungen nicht deklariert werden, da es sich nur um einen Produktionshilfsstoff handelt. Dabei wird er in vielen Käsesorten verwendet. Nur Mozzarella und Frischkäse sind meist ohne tierisches Lab. Es gibt auch Hersteller, die ausschließlich mikrobielles Lab verwenden.

Fisch und Meerestiere

  • Für manche islamische Rechtsschulen sind von allen Salz- und Süßwassertieren nur Fische halal

Wenn nicht klar ist, wie die Familie des geflüchteten Kindes mit den Geboten umgeht, kann es zweckmäßig sein, das Kind erst einmal vegan zu ernähren. Dies schließt einen Großteil der verbotenen  Lebensmittel automatisch aus.

Speisegebote in anderen Religionen

Speisegebote gibt es auch in anderen Religionen. Im Judentum wird beispielsweise auf eine räumliche und zeitliche Trennung zwischen Speisen, die Fleisch und Milch enthalten, geachtet. Auch beim Fleischverzehr gibt es Gebote. So sind nur Paarhufer und Wiederkäuer (zum Beispiel Kühe, Ziegen und Schafe) zum Verzehr geeignet. Andere Tiere wie Schweine, Pferde und Hasen sowie Geflügel, welches nicht rituell-jüdisch geschlachtet wurde, dürfen nicht gegessen werden. Dies wird als "koscher" bezeichnet.

Im Christentum wurden diese biblischen Speisegebote – vor allem durch den Apostel Paulus – zurückgenommen. Einige Christen befolgen sie dennoch, zumindest in Teilen und verzichten freitags und in der Fastenzeit auf Fleisch oder Alkohol.

Menschen buddhistischen Glaubens verzichten weitgehend auf den Verzehr von Fleisch, um fühlenden Wesen nicht zu schaden.

Im hinduistischen Glauben gelten Kühe als heilige Tiere, in denen Gottheiten wohnen. Das Verletzen oder Töten eines Rindes wird streng bestraft.

Rezept-Serie

Garantiert Halal: Fladenbrot ist ein fester Bestandteil der arabischen Küche. Hier finden Sie ein einfaches und schnelles Rezept, bei dem Kinder sehr gut helfen können. Toll dazu schmecken zum Beispiel Falafel. Auch diese können ganz einfach zusammen mit Kindern zubereitet werden.

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