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Praxisbeispiel

Ein Besuch beim Projekt "Physik für Flüchtlinge"

Die Mitarbeiter der Initiative "Physik für Flüchtlinge" der Deutschen Physikalischen Gesellschaft haben etwas gemeinsam: ihre Faszination für Physik und physikalische Phänomene. Dank dieser Initiative können sie ihre Begeisterung mit den Kindern und Jugendlichen in Flüchtlingsunterkünften und Erstaufnahmeeinrichtungen in ganz Deutschland teilen.

Ein Besuch bei "Physik für Flüchtlinge" in Berlin-Friedenau

Freitag um kurz vor halb vier im Rathaus Friedenau in Berlin: Schon bevor es offiziell losgeht, linsen die ersten Kinder in den Raum. Hier steht der Physiker Kai Nörthemann und winkt sie herein. "Was ist diesmal dran?", fragt Kalil neugierig.

"Heute geht es um Akustik", sagt der Physiker. Zwei der Jungen nicken verständnisvoll, eines der Mädchen hingegen schaut noch ratlos. "Akustik?" Sie wird das Wort am Ende der zwei Stunden wahrscheinlich besser einordnen können.

Die Materialien: Kuchenform, Holzklötze und Küchengummis

Denn jetzt verteilt Kai Nörthemann die Materialien: eine Kuchenform, Holzklötze und Küchengummis. "Sollen wir damit eine Zwille bauen?", fragt einer der Jungen, doch Kai Nörthemann schüttelt den Kopf. Er hat einen anderen Plan: Er spannt die Gummiringe über die Backform und schiebt dann das Dreikantholz unter die Gummiringe. "Zupft mal an den Gummis rechts und links vom Holzstück", sagt er. Die Kinder kennen das von Instrumenten und entdecken schnell den Zusammenhang zwischen Tonhöhe und der Länge des schwingenden Gummis.

Aber Kai Nörthemann hat noch mehr Untersuchungsobjekte mitgebracht: Jedes Kind hat eine kleine Walzen-Spieldose mit einer Kurbel bekommen. Ein Junge legt andächtig seinen Kopf auf den Tisch und lauscht, während eine ehrenamtliche Helferin die Kurbel dreht.

"Meine Spieluhr ist aber kaputt", schimpft eines der Kinder. "Wirklich?", fragt Kai. "Versuch es doch mal auf dem anderen Tisch." Denn wenn die Spieldose auf dem Holztisch liegt, ist die Musik plötzlich viel lauter. "Wirklich?", wollen jetzt auch die anderen wissen. Sie probieren aus, tauschen die Spieldosen und kommen zu dem Schluss: "Ja, stimmt!"

Die "Flaschentrommeln" kommen besonders gut an

"Was kommt als nächstes?", die Kinder wissen, dass der Physiker noch mehr dabei hat. Und richtig: Kai Nörthemann öffnet seinen Koffer und holt einige "Flaschentrommeln" heraus. Das sind Plastikflaschen ohne Deckel, die am Boden aufgeschnitten sind. Über diese Öffnung ist ein Gummistoff gezogen.

Kai Nörthemann hat gar keine Gelegenheit, die Trommeln zu erklären, da zupfen die Kinder schon am Gummistoff. Gleich stellen sie fest: vorne am Flaschenhals entsteht ein Luftzug. Und mit dem hat Kai Nörthemann noch etwas vor. Er verteilt eine Reihe von Teelichtern. Die Aufgabe: Schafft ihr es, das Feuer der Teelichter mit Hilfe der Flaschentrommeln "auszupusten"? Wie weit könnt ihr euch entfernen? Ganz schön weit weg, stellen die meisten fest.

Eine Hand hält eine Plastikflasche nach unten, darauf ist ein Ballon gespannt
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Die Flaschentrommel in Aktion.

Während die anderen wetteifern, wie weit sie sich von der Kerze entfernen können, will und will eine einzelne Kerze nicht ausgehen – einem Mädchen fällt der Versuch schwer. Einer der ehrenamtlichen Helfer zeigt ihr: sie muss den richtigen Winkel finden. Nach einigen weiteren Versuchen hat sie den Dreh raus. Wenig später zeigt sie einem Jungen, der gerade erst dazu gekommen ist, wie es geht.

"Ich freue mich, wenn ich die Kinder für Physik begeistern kann."

"Ich wollte etwas für geflüchtete Menschen tun, aber ich wusste nicht, wie ich als Physiker helfen konnte", so Kai Nörthemann. "Für mich bot sich durch 'Physik für Flüchtlinge' eine tolle Gelegenheit. Ich freue mich, wenn ich die Kinder für Physik begeistern kann."

Das scheint zu klappen. Kalil verabschiedet sich mit den Worten: "Bis nächste Woche!"

Über "Physik für Flüchtlinge"

Das Projekt "Physik für Flüchtlinge" von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft e. V. (DPG) und der Georg-August-Universität Göttingen gibt es seit Dezember 2015. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Ehrenamtliche führen gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen in Flüchtlingsunterkünften und Erstaufnahmeeinrichtungen in ganz Deutschland physikalische Experimente durch. Gearbeitet wird unter anderem mit Unterrichtseinheiten von "Zauberhafte Physik"

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