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Bericht einer politischen Diskussion

Wie gelingt Integration durch Bildung?

Fachlicher Austausch zum Thema "Flüchtlingskinder und Bildung" beim Parlamentarischen Frühstück der Stiftung "Haus der kleinen Forscher" im Bundestag.

Politiker und Experten diskutieren beim parlamentarischen Frühstück
"Geflüchtete Kinder – wie kann Integration durch Bildung jetzt gelingen?" Dazu diskutierten die Stiftung "Haus der kleinen Forscher", Politiker und geladene Experten

Berlin, 3. Dezember 2015 "Geflüchtete Kinder – wie kann Integration durch Bildung jetzt gelingen?" Zu diesem aktuellen Thema brachte die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" Vertreter aus Wissenschaft und Politik zusammen und wollte dabei auch herausfinden: "Wie können wir als Bildungsinitiative im Bereich Naturwissenschaft, Technik und Mathematik dazu beitragen?"

Gemeinsam mit Dr. Nora von Dewitz und Mona Massumi von der Universität zu Köln sowie Dr. Mohini Lokhande vom Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration diskutierten 15 Abgeordnete des Bundestages mit dem Stiftungsratsvorsitzenden Prof. Jürgen Mlynek und dem Vorstandsvorsitzenden des "Hauses der kleinen Forscher", Michael Fritz, bei einem "Parlamentarischen Frühstück" darüber, welche nächsten Schritte im Bereich "Frühe Bildung und Migration" unternommen werden müssten.

Kinder wollen Forschen und Entdecken - das ist ein universell verbindendes Element

"Ein Drittel der Flüchtlinge sind Kinder", sagte Patricia Lips, MdB, Schirmherrin der Veranstaltung und Vorsitzende des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung. "Sie sind die Kleinsten und Schwächsten, aber auch die Wissbegierigsten." Kinder wollen Forschen und Entdecken – "das ist ein universell verbindendes Element", doch seien die Fachkräfte in Kindergärten und Schulen vor große Herausforderungen gestellt: "Und damit meine ich nicht nur die sprachlichen Hürden", sagte Patricia Lips. Die Erfahrungen der Kinder haben Narben hinterlassen, mitunter seien die Kinder gar traumatisiert.

"Pädagogen sind keine Psychologen"

Politiker und Experten diskutieren beim parlamentarischen Frühstück
Wissenschaftler und Politiker tauschen sich während des parlamentarischen Frühstücks aus

Bei diesem Thema setzte Mona Massumi an: "Pädagogen sind keine Psychologen", sagte die Wissenschaftlerin. Aber wenn Erzieherinnen und Erzieher ebenso wie Lehrerinnen und Lehrer mit dieser Aufgabe allein gelassen würden, sei das eine Überforderung, die verhindert werden müsse: Durch gute Vernetzung und aktive Zusammenarbeit mit Beratungsstellen, Ärzten und Therapeuten – und natürlich den Eltern der Kinder.

"Der Kindergarten als erste Bildungsinstanz kann ein zentraler Integrationsort sein", sagte auch Dr. Mohini Lokhande. Hier könnten Eltern Tipps zur Erziehung erhalten, sich mit anderen Eltern austauschen und Kontakte knüpfen. Gleichzeitig kann die Kita als Knotenpunkt dienen, an dem andere städtische oder soziale Einrichtungen in Kontakt mit den Eltern treten könnten.

Ein Wunsch: Migrationssensible Lehrkräfte

Auch Mona Massumi und Dr. Nora von Dewitz hatten einige Handlungsempfehlungen an die Mitglieder des Bundestages: Dazu gehörte vor allem der Wunsch, dass Lehrkräfte fächerübergreifend sensibel für das Thema Spracherwerb sein sollten; also eine migrationssensible Haltung bei Lehrerinnen und Lehrer schon in der Ausbildung gefördert und anhand von gezielten Weiter- und Fortbildungen unterstützt werde.

So betonten die Kölner Wissenschaftlerinnen, dass sie dringend davon abraten würden, ein einziges, bundesweit geltendes und starres Modell zur Integrationsförderung zu entwickeln: "Jede Schule ist anders und hat ihre ganz eigenen Rahmenbedingungen. Welches Modell für sie am besten und welches überhaupt realisierbar ist, ob es etwa Willkommensklassen gibt oder die Kinder von Beginn an in eine Regelklasse gehen, wissen die Lehrkräfte am besten."

Welchen Beitrag können Initiativen wie das "Haus der kleinen Forscher" leisten?

Politiker und Experten im Gespräch
Gäste haben die Möglichkeit mit den Experten und Politikern ins Gespräch zu kommen

In einem Punkt waren sich alle einig: Bildungseinrichtungen wie Kitas oder Schulen sind zentrale Orte, um Integration zu schaffen und zu leben. Auch Bildungsinitiativen oder Stiftungen wie das "Haus der kleinen Forscher" sollen und können einen Integrationsbeitrag leisten. Am besten, indem sie das, was sie bereits gut können, ohne Aktionismus gezielt erweitern.

"Das Angebot des ‚Hauses der kleinen Forscher‘ steht für Praxisnähe. Wir wollen pädagogische Fach- und Lehrkräfte in ihrem Alltag unterstützen", betonte Michael Fritz, "immer ausgehend vom forschenden Lernen und von Themen rund um Natur, Mathematik und Technik. Daraus ergeben sich in Bezug auf Integration und Flüchtlinge mehrere Ansatzpunkte für das ,Haus der kleinen Forscher`".

Forschen als Zugang für Kinder mit geringen Deutschkenntnissen

Die Stiftung will noch stärker herausstellen, dass Forschen und Entdecken gerade für Kinder mit wenig Deutschkenntnissen ein guter Bildungszugang sein kann. Forschen funktioniert zunächst auch mit wenig Sprache und erfordert kein teures Equipment. Die Kinder kommen beim Forschen schnell ins "Tun" und in die Interaktion mit anderen. Sie sehen "Ich kann etwas" und erfahren so Selbstwirksamkeit. Zudem gibt es bereits heute viele Hinweise aus der Praxis, dass sich Forschen positiv auf die Sprachkompetenz auswirken kann. Um dies empirisch zu untersuchen, förderte die Stiftung eine entsprechende Studie, deren Ergebnisse seit Anfang 2017 vorliegen.

Als größte Frühbildungsinitiative in Deutschland sieht sich das "Haus der kleinen Forscher" in der Verantwortung, Wissen und Erfahrungen aus der Praxis – auch zum Thema Integration – mit anderen zu teilen, damit möglichst viele Pädagoginnen und Pädagogen in ganz Deutschland von den zahlreichen Erfolgsbeispielen profitieren können. Hierzu prüft die Stiftung im Moment verschiedene Wege und Instrumente.

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