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Interview

Mobil forschen – gezielt integrieren: Das Rollende Labor

Jana Schlüter leitet das Brückenprojekt "Frieda" der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Ruhr-Mitte. Kinder mit Fluchthintergrund, die keinen Kita-Platz haben, bekommen Zeit und Raum zum Spielen, Lernen und um sich weiter zu entwickeln. Ein Baustein ist das "Rollende Labor" – ein Bauwagen in Zebra-Optik, gefüllt mit Materialien zum Forschen und Experimentieren.

Drei Frauen stehen vor dem Bauwagen mit Zebramuster, der das rollende Labor enthält
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Im "Rollenden Labor" gibt es eine kleine Forscher-Zone für geflüchtete Kinder

Was zeichnet das "Rollende Labor" aus?

Jana Schlüter: "Das 'Rollende Labor' ist eine tolle Möglichkeit, Kinder mit ihrer natürlichen Neugierde zu fördern. Dies kann eben auch ohne Sprache funktionieren. Dabei ist es wichtig, dass jedes Kind Zeit hat, zu entdecken, auszuprobieren und zu experimentieren. Außerdem können wir das 'Rollende Labor' zeitlich und räumlich flexibel einsetzen und den Interessen und dem Entwicklungsstand der Kinder individuell anpassen. So wird je nach Bedarf eine kleine Forscher-Zone kreiert."

Was macht Ihren pädagogischen Ansatz aus?

J. S.: "Ich finde, dass das forschende Lernen unbedingt zu fördern ist. Das Selbstbewusstsein, aus der eigenen Idee etwas entwickelt zu haben, und die Eindrücke, die dadurch gewonnen wurden, tragen die Kinder lange mit sich. Ich finde nicht, dass alles immer sofort erklärt werden muss, vieles erklärt sich erst mit der Zeit. Die Fähigkeit zu antizipieren muss sich entwickeln. Manchmal stehen Phänomene eben erstmal für sich, sind dadurch aber nicht weniger wertvoll, ganz im Gegenteil."

Was brauchen die Kinder aus geflüchteten Familien, die Sie kennenlernen?

Porträtbild von Jana Schlüter vor dem "Rollenden Labor"
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Jana Schlüter betreut das "Rollende Labor" für die AWO

J. S.: "Die Kinder brauchen zunächst ein Gefühl von Sicherheit. Sie müssen neues Vertrauen fassen, obwohl sie so viele neue Eindrücke um sich herum haben – neues Land, neue Kultur, neue Menschen, neue Sprache. Wenn sie bei uns angekommen sind, blühen sie auf und viele saugen wie Schwämme alles auf. Sie wollen lernen und neue Dinge erleben. Leider sind die Eltern ebenfalls erschlagen von dem neuen Leben und müssen sich um viele Dinge gleichzeitig kümmern. Von daher übernehmen wir die Aufgabe, durch Ausflüge und Experimente den Kindern möglichst vielfältige Erfahrungen zu ermöglichen."

Was brauchen die Eltern der geflüchteten Kinder?

J. S.: "Die Eltern brauchen vor allem den Blick für die Bedürfnisse ihrer Kinder – neben den ganzen Dingen, die sie in ihrer neuen Umgebung zu erledigen haben. Das ist oft eine schwierige Sache."

Was meinen Sie? Wie kann Integration gelingen?

J. S.: "Integration ist für mich ein Miteinander-Leben mit gegenseitigem Respekt. Das Verständnis für die Andersartigkeit der Kulturen sollte als Chance verstanden werden. Dieses Selbstverständnis den Kindern mitzugeben, das ist der wichtigste Teil, den ich zur Integration beitragen kann."

Die Brückenprojekte der AWO Ruhr-Mitte

Die AWO Ruhr-Mitte ist Träger von 27 Kindertageseinrichtungen. Brückenprojekte wie "Frieda" sind der erste Kontakt der Kinder zur Bildungseinrichtung. hier können die Kinder die deutsche Sprache lernen und sich in eine Gemeinschaft integrieren. Das erleichtert ihnen den Übergang zur Betreuung in einer Regeleinrichtung.

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