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Interview

KanTe aktiviert Energie in Willkommensklassen

Seit Sommer 2016 bietet der Berliner Kollektivbetrieb KanTe Workshops zum Thema Energie und Energiesparen in Berliner Grundschulen mit geflüchteten Kindern an. Was sie dabei gelernt hat, erzählt Projektleiterin Lisa Häfner im Interview.

Kinder stehen um einen Baustrahler und testen ihren Solarstromkreis.
© Stiftung Haus der Kleinen Forscher
Die Kinder probieren die Solarzelle aus: Dreht sich mein Propeller?

Wie waren die Workshops aufgebaut?

Lisa Häfner: "Die Workshops dauerten jeweils drei bis fünf Tage. Am ersten Tag gab es immer eine Einführung in das Thema Energie und Energiesparen. Wir haben versucht, an den Alltag der Kinder anzuknüpfen und uns gemeinsam Bilder angeschaut und Bereichen zugeordnet, bei denen wir Energie brauchen. Dazu gab es dann Experimente an Stationen, zum Beispiel vergleichsweise Wasser mit und ohne Deckel zum Kochen bringen. Dann gab es noch einen Tag zu Solarenergie und einen Tag zu Wind. Es bleibt nach dem Projekt eine Menge neues Wissen zurück. Zum Beispiel als lustige Solarfiguren oder je nach Möglichkeit selbst gemachte Info- und Hinweisposter der Schülerinnen und Schüler."

Zu versuchen, Dinge so einfach wie möglich zu vermitteln, war eine gute Übung.

Wie funktionierte die Arbeit in den Willkommensklassen?

L. H.: "Es war von Klasse zu Klasse unterschiedlich, die meisten Kinder waren Grundschulkinder ab der 3. Klasse. In manchen Klassen gab es mehr Kinder, die schon gute Sprachkenntnisse hatten und in anderen Klassen weniger. Bei der Einführung mit den Bildern haben wir immer gemerkt, ob schon ein bisschen Gespräch entstanden ist. Meistens kam mehr als ich gedacht hätte, und wir haben gesehen: Die Kinder verstehen worum es geht und können die Bilder zuordnen. Man ist dann aber auch ein bisschen an die Bilder gebunden, darüber hinaus zu sprechen wird schwieriger."

Mussten Sie etwas ändern im Vergleich zur Arbeit mit in einer Regelklasse?

L. H.: "Die Sprache war viel reduzierter, langsamer, wiederholender, einfacher und klarer – und wir hatten möglichst immer Bilder. Vor allem der Versuch, sich auf bestimmte Vokabeln zu einigen statt ein Wort in verschiedenen Ausführungen zu benutzen, halte ich aber auch für eine gute Anregung bei der Arbeit mit allen Kindern. Es war eine gute Übung zu versuchen, Dinge sprachlich so einfach wie möglich zu vermitteln. Auch in der Regelklasse haben nicht alle Kinder den gleichen sprachlichen Zugang zu den Themen oder sprechen Deutsch als Muttersprache. Einmal hatten wir eine ganz junge Klasse, da haben wir alles Theoretische weggelassen und nur noch Solarstromkreise und ein Windrad gebastelt, aber auch das hat sehr gut funktioniert und den Kindern viel Spaß gemacht. Mit den älteren Kindern haben wir dafür teilweise auch tiefergehend über den Klimawandel sprechen können. Wir hatten auch Klassen, mit denen wir viel rennen und ein bisschen sozialpädagogischer gearbeitet haben. Das würde aber für Regelklassen genau so gelten: Jedes Kind und jede Klasse ist unterschiedlich. Ein pauschaler Unterschied zwischen Willkommens- und Regelklasse lässt sich da nicht machen, eher ist es ein Kontinuum."

Haben Sie Ihre Materialien verändert?

Lisa Haefner erklärt den Solarroboter
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Lisa Häfner

L. H.: "Wir haben festgestellt, dass wir wenig Verben und Adjektive bei unseren Bildkarten hatten. Die haben wir dann ergänzt, zum Beispiel 'die Sonne scheint' oder 'mehr', 'weniger', 'langsam', 'schnell', 'warm', 'kalt' – Wörter, die in diesem Bereich sehr wichtig sind, aber die man aus Fachperspektive schon mal vergisst."

Was war Ihre zentrale Erkenntnis, die Sie an andere weitergeben möchten, die ähnliche Projekte vor sich haben?

L. H.: "Was ich auf jeden Fall weitergeben kann ist, dass das praktische Arbeiten Wunder wirkt. Die Kinder sind sofort total konzentriert, wenn sie etwas tun können. Die Stimmung hat sich von der Runde, in der wir zusammensitzen und mit Bildern etwas abstrakter einsteigen, zu dem Moment, wo wir dann angefangen haben zu machen, total verändert. Die Kinder werden still, interessiert, sitzen da wie gebannt. Für mich steht inzwischen wirklich infrage, wie sinnvoll Gruppenauswertungsrunden und von Erwachsenen geleitete Gespräche, selbst wenn die Kinder das meiste erzählen, wirklich sind, weil dann auch viele Kinder einfach abschalten. Eigentlich muss man sie sehr kurz halten, weil sie nur noch wenigen wirklich was bringen und andere, spielerische Methoden für die Auswertung finden."

INFO: KanTe

Das "Kollektiv für angepasste Technik" (KanTe) besteht aus vier Personen mit technischem Studium, die in Berlin leben und arbeiten. Sie bieten Workshops, Seminare und Vorträge zu Themen wie "Ökologische Sanitärversorgung", "Erneuerbare Energien" oder "Ressourcen- und Nährstoffkreisläufe" an.

Zwei Mädchen forschen mit Strom-Materialien wie Kabeln und Krokodilklemmen.
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Kinder forschen mit Strom in einem Klassenzimmer.
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Zwei Jungs halten ihren Solarstromkreis vor einen Baustrahler
© Stiftung Haus der kleinen Forscher

Die Bilder auf dieser Seite entstanden bei einem KanTe-Workshop in der Grundschule am Rüdesheimer Platz in Berlin-Charlottenburg.

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