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Tipps

Mit Augmented Reality verschmelzen Analog und Digital

Gemeinsam Bilderbücher anschauen macht Spaß. Doch was, wenn die Kinder am liebsten über die Grenzen der Seiten hinaus entdecken würden? Die Deutschdidaktikerin und Digitalexpertin Julia Knopf meint: Versuchen Sie es mal mit Augmented Reality.

Eine Hand hält ein Tablet vor ein Körpermodell. Auf dem Display erscheinen Erläuterungen.
© pixabay
Die digitalen Inhalte erweitern die analoge Realität.

Was bedeutet Augmented Reality?

"Augmentieren" ist ein anderes Wort für "erweitern". "Augmented Reality" bezeichnet also eine (digitale) Erweiterung von bereits vorhandener Realität. Das kann vieles bedeuten, aber meist ist damit gemeint: Über Tablet oder Smartphone wird ein analoger Gegenstand, zum Beispiel ein Bild, ein Gegenstand oder ein Buch, mit einem digitalen Inhalt verknüpft. Der digitale Inhalt kann dabei jede beliebige Form haben – aber Bilder, Videos und Audiodateien sind besonders beliebt.

In der Praxis bedeutet das zum Beispiel: Die Kinder halten das Tablet über ein Bild im Bilderbuch. Das Tablet erkennt das Bild und ruft einen dazu passenden Inhalt auf.

Was ist anders als bei klassischer Arbeit mit Medien wie CDs?

Julia Knopf, Professorin für Fach­di­dak­tik Deutsch Pri­mar­stufe an der Uni­ver­si­tät des Saarlandes und Partnerin der Didac­tic Inno­va­tions GmbH : "Wenn man früher das Lesen eines Bilderbuchs didaktisch anreichern wollte, brauchte man einen CD-Player oder einen Kassettenrekorder, dann vielleicht noch ein Bild an der Wand  oder Gegenstände in der Hand. Das war mitunter umständlich. Heute ist es ganz einfach: Ich bleibe am Buch und augmentiere direkt die Abbildungen im Buch. Ich kann konzentriert der Geschichte folgen und bei Bedarf das Tablet an eine markierte Stelle halten. Die hinterlegten Inhalte wie Videos, Gespräche oder weitere Abbildungen lassen sich direkt abrufen, ohne dass ich zusätzlich etwas orchestrieren muss."

Welche Möglichkeiten gibt es noch?

Augmentierung lässt sich nicht nur passiv nutzen. Kostenlose Apps wie "HP Reveal" ermöglichen es, selbst erstellte Inhalte wie Videos, Fotos oder Sprachaufnahmen mit analogen Medien wie Büchern zu verknüpfen. Die Kinder werden selbst zu Erschafferinnen und Erschaffern von erweiterter Realität. Beim Forschenden Lernen könnten Sie beispielsweise ihre eigenen Ergebnisse mit einem Video dokumentieren und zur Entdeckungskarte digital hinterlegen. Andere Mädchen und Jungen, die später die gleiche Forscheridee entdecken, können so herausfinden, welche Erfahrungen ihre Vorgängerinnen und Vorgänger gemacht haben.

Julia Knopf: "Irgendwann merken die Kinder gar nicht mehr, wie selbstverständlich sie zwischen digitalen und analogen Angeboten springen. Der Griff zum Buch wird genauso selbstverständlich sein wie der Griff zum Tablet. Wichtig ist nur, dass die Kinder unterscheiden lernen, wann digital sinnvoller ist als analog und umgekehrt."

Anwendungsbeispiel für den Einsatz zum Thema Flucht und Integration

Julia Knopf: "Angenommen, die Kinder lesen mit den Erwachsenen ein Buch über die Fluchterfahrung eines Kinds aus Syrien. Da macht es durchaus Sinn, einzelne Stellen im Buch zu augmentieren und durch unterschiedliche weitere Informationen anzureichern. Vielleicht haben die Kinder im Kindergarten keine Vorstellung davon, wie weit Syrien von Deutschland entfernt ist oder wie die Landschaft aussieht. Hier könnte man ein kindgerechtes Video hinterlegen. Spannend ist auch zu erfahren, wie die fremde Sprache klingt. In diesem Fall lassen sich Tonaufnahmen integrieren."

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