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Erfahrungsbericht: Hilfen für die Elternarbeit

Sprachmittler in der Grundschule

Huda Fouani und Salar Muhamed sind stundenweise an der Bremer Grundschule Stichnathstraße als Sprachmittler angestellt. Das erleichtert die Elternarbeit enorm.

Porträtbild von Salar Muhamed
Salar Muhamed begleitet die geflüchteten Kinder nach dem Vorkurs in ihre Klassen

Die Sekretärin lächelt, der Schulleiter ist begeistert und der Lehrer des Vorkurses an der Bremer Grundschule Stichnathstraße absolut zufrieden: Wenn sie gefragt werden, wie die Kommunikation mit arabischsprachigen Eltern läuft, verzweifelt hier keiner. Das hat zwei gute Gründe – und die heißen Huda Fouani und Salar Muhamed. Sie kommen aus dem Libanon und Syrien und sind stundenweise an der Schule angestellt.

Stundenweise angestellt – das Geld kommt aus dem Topf für die Sprachförderung

"Herr Gutt leitet seit 13 Jahren den Vorkurs bei uns an der Schule. Er hatte nie Probleme. Erst voriges Jahr, als immer mehr fremdsprachige Kinder kamen, sagte er: 'Das wird zu viel. Ich brauche Hilfe.' Also haben wir uns etwas überlegt", sagt Carsten Dohrmann, Schulleiter der Grundschule Stichnathstraße.

Kurz zuvor hatte ein Bekannter angerufen, der in der Flüchtlingshilfe aktiv ist und gesagt, dass er einen jungen, sympathischen Mann kennen gelernt hätte. "Der kann hier nicht nur in der Unterkunft herumsitzen, der möchte etwas tun. Er spricht kurdisch, arabisch, deutsch und türkisch." Der junge Mann hatte in Syrien begonnen, auf Lehramt zu studieren, brach dann das Studium ab und war mit seinem Bruder den beschwerlichen Weg über das Mittelmeer gekommen.

Der Schulleiter wusste sofort: Das passt!

Carsten Dohrmann lud Salar Muhamed zu einem Gespräch ein und wusste: Das passt. Jetzt war nur noch die Frage der Finanzierung offen. "Wir haben uns verschiedene Fördermöglichkeiten zur Wiedereingliederung von Flüchtlingen angeschaut, doch die waren immer mit einem Riesenaufwand verbunden und an unzählige Auflagen gebunden." Er dachte neu und wählte einen einfachen und direkten Weg: "Wir hatten noch Gelder zur Sprachförderung übrig; als Asylbewerber bezieht Salar Hartz IV, darf sich aber etwas dazu verdienen."

"Sie machen uns die Arbeit so viel leichter."

Porträtbild von Huda Fouani
Huda Fouani unterstützt als Sprachmittlerin die Kinder, deren Eltern und damit auch die Lehrer

Knapp 200 Euro bekommt er von der Schule im Monat, er ist für vier Stunden in der Woche angestellt. "Aber oft ist er länger da, bestimmt so an die 20 Stunden. Er springt ein, wenn Anmeldungen sind, kommt spontan zu Elterngesprächen dazu und unterstützt die Kinder in der Vorklasse", sagt Holger Gutt: "Es macht unsere Arbeit so viel leichter, wenn jemand da ist, der die Schule kennt, der uns Lehrer kennt und vermitteln kann, was wichtig ist. Jemand, der eine Brücke schlägt."

Das  gilt auch für die Arbeit von Huda Fouani. Die junge Frau ist in Bremen geboren, im Libanon aufgewachsen und kam nach ihrem Schulabschluss zurück nach Deutschland. Sie spricht Arabisch, Deutsch, Englisch und Französisch und arbeitet neun Stunden in der Woche in der Grundschule. Finanziert wird sie über das Bremer Förderprogramm WIN (Wohnen in Nachbarschaften).

Die Arbeit in der Schule ist perfekt, um Deutsch zu lernen

Holger Gutt sitzt mit den Schülern seiner Vorklasse am Tisch und spielt ein Sprachlernspiel
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Holger Gutt leitet seit 13 Jahren den Vorkurs in der Bremer Grundschule Stichnathstraße

Beide besuchen auch noch täglich einen Deutschkurs. Viel üben müssen sie nicht mehr dafür – die tägliche Arbeit mit den Schülern und der Austausch mit den Lehrern ist die beste Praxisübung. Aber wenn sie den offiziellen Kurs mit Zertifikat beendet haben, können sie sich um einen Ausbildungsplatz bemühen. Huda Fouani möchte gerne Erzieherin werden, Salar Muhamed kann sich vorstellen, ebenfalls als Erzieher zu arbeiten, als Gärtner, oder sogar noch einmal zu studieren.

Der Tag wird kommen, an dem Huda Fouani und Salar Muhamed sagen werden, dass sie gehen. Dann wird es wieder enger für Holger Gutt, die Schulsekretärin und Carsten Dohrmann. "So leicht kommt man nicht an so tolle Leute. Wir müssten ein besseres Netzwerk haben", sagt er. Aber ein Anfang ist gemacht. Er weiß nun, wie gute Integrationsarbeit aussehen kann, was sie braucht, was Lehrer und Schüler brauchen. Und er weiß, dass es funktionieren kann. Damit ist die Grundschule Stichnathstraße ein gutes Beispiel für gelungene Integrationsarbeit – auf allen Ebenen.

Welche Arbeitsbedingungen gelten für Flüchtlinge?

Auf den Seiten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge finden Sie eine detaillierte Übersicht, unter welchen Bedingungen Asylbewerber arbeiten dürfen.

Generell gilt: Anerkannte Asylbewerberinnen und -bewerber, die vom Bundesamt einen positiven Bescheid erhalten haben, dürfen grundsätzlich uneingeschränkt als Beschäftigte arbeiten und auch einer selbstständigen Tätigkeit nachgehen.

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