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Interview

Integration durch Umweltbildung: "Draußen kann ich alles machen!"

Geflüchtete Menschen durch Umweltbildung zu integrieren war das Ziel eines Projektes der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung (ANU). ANU-Vorstandsmitglied Marion Loewenfeld erzählt im Interview, warum es schwieriger geworden ist die Zielgruppe zu erreichen und was Erfolg wahrscheinlicher macht.

Kinder rennen über eine Wiese
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Draußen können Kinder viel erleben

Wie kam es zu dem Projekt?

Marion Loewenfeld: "Die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung ist durch ihre Mitglieder zu dem Projekt gekommen. Gerade 2015 haben viele Mitglieder in Umweltstationen oder freiberufliche Akteure Umweltbildung mit geflüchteten Menschen angeboten. Einige Mitglieder sind dann an uns als Dach- und Fachverband herangetreten und haben gefragt, ob wir sie unterstützen können. Die ANU Bayern und der ANU Bundesverband haben schnell reagiert und eine Umfrage gestartet, um herauszufinden, was gebraucht wird. Die ANU Bayern hat dann 2016 als erstes ein Projekt gestartet: 'Willkommen in Bayern', das später als Teil  eines bundesweiten Projekts weitergeführt wurde."

Warum denken Sie, dass Umweltbildung für geflüchtete Menschen wichtig ist?

M. L.: "Da gibt es verschiedene Ebenen zu bedenken. Zum einen im Kontext der Bildung für nachhaltige Entwicklung: Bürgerliches Engagement, Solidarität und Mitgefühl waren 2015 das Gebot der Stunde, auch aus der Verantwortung heraus, die wir für Flüchtende haben. Aber auf einer ganz praktischen Ebene gibt es überall in Deutschland Anknüpfungspunkte für die Arbeit mit Geflüchteten, zum Beispiel dass pädagogische Fach- und Lehrkräfte mit geflüchteten Kindern arbeiten, sei es in der Verbandsarbeit, im Umweltzentrum, in Kita, Hort oder Grundschule, wo UmweltbildnerInnen arbeiten. Und die Methoden, die in der Umweltbildung und in der Bildung für nachhaltige Entwicklung genutzt werden, sind sehr gut geeignet für Menschen mit Fluchthintergrund. Das sind zum Beispiel Methoden des spielerischen, nonverbalen und des informellen Lernens. Da gibt es einfach viele Anknüpfungspunkte."

Wie wurde Umweltbildung als Thema bei geflüchteten Kindern aufgenommen?

Porträtfoto von Marion Loewenfeld
© Marc Haug
Marion Loewenfeld

M. L.: "Ganz am Anfang hatten einige wenige Kinder Angst, zum Beispiel vor dem Wald an sich oder vor Tieren im Wald, die gefährlich sind, aber bei uns gar nicht vorkommen. Aber Kinder sind ja sehr begeisterungsfähig und es gab viele Anlässe, die neue Umgebung kennenzulernen, was für sie sehr wichtig war. Die Kinder sind auch einfach sehr gerne draußen, weil sie da Neues erfahren, was sie beispielsweise in beengten Wohnverhältnissen in den Unterkünften nicht erfahren. Sie können sich bewegen und austoben. Und über die Methoden der Umweltbildung bekommen sie Möglichkeiten, sich einzubringen und selber Ideen zu entwickeln."

Was hat sich in den letzten zwei Jahren für die Projektarbeit geändert?

M. L.: "Es ist nicht mehr so einfach, die Zielgruppe zu erreichen, denn viele der geflüchteten Menschen sind jetzt nicht mehr in Unterkünften sondern an verschiedenen Wohnorten verteilt. Jetzt findet die langfristige Integrationsarbeit statt in Kinder- und Jugendgruppen,  in Kitas und Schulen und dort, wo weiter mit Geflüchteten gearbeitet wird.

Die Umweltbildung integriert sie in ihre Angebote, daher brauchen UmweltbildnerInnen die entsprechende pädagogische Grundhaltung und passende interkulturelle Kompetenzen. Daher haben wir zwei bundesweite Fortbildungen für unsere Mitglieder zum Thema 'Diversity' angeboten."

Wir brauchen in der Arbeit Kontinuität und Ausdauer, um Beziehungen aufzubauen.

Unter dem Projekt "Integration geflüchteter Menschen durch Umweltbildung" liefen sehr viele Teilprojekte. Haben Sie ein Lieblingsprojekt?

M. L.: "Es gab für Erwachsene, Kinder, Jugendliche und Familien Projekte. Mir haben die internationalen Gärten am besten gefallen. Weil da Familien zusammengebracht wurden, Kinder und Erwachsene, Einheimische und Zugezogene. Und weil es sich um ein langfristiges und nachhaltiges Angebot handelt, denn ich denke wir brauchen in der Arbeit Kontinuität und Ausdauer, um Beziehungen aufzubauen. Viele Projekte werden ja aktuell nicht weiter finanziert. Eine Regelmäßigkeit im Beziehungsaufbau ist aber wichtig. Außerdem finde ich es großartig, dass bei den Angeboten der internationalen Gärten spielerische Aspekte, Alltagskompetenz, aber auch Handlungsaspekte, die zum beruflichen Leben einen Bezug haben, zusammenkommen. Auch das Anknüpfen an die alte Heimat ist möglich. Viele geflüchtete Menschen haben zum Beispiel Chilis oder Früchte angebaut, die sie aus ihrer Heimat kennen. Und so haben die Kinder über die Eltern Altes aus ihrem Heimatland, aber auch Neues kennengelernt Einheimische und Zugezogene tauschen sich aus und ergänzen sich. Und das ist doch für alle unheimlich bereichernd."

Haben Sie noch einen Tipp, wie Umweltbildung gut gelingen kann?

M. L.: "Gehen Sie Kooperationen ein, zum Beispiel mit einer Umweltbildungseinrichtung. Wir haben gesehen, dass da, wo ein kleines Netzwerk entstanden ist, die Erfolge am besten waren."

Das Projekt

Für das Projekt "Integration geflüchteter Menschen durch Umweltbildung" wurden online zahlreiche Materialien gesammelt, darunter Materialien für kleinere Kinder und in einfacher Sprache, beispielsweise die Materialhefte "Umweltdetektive Grenzenlos" der Naturfreundejugend.

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