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Interview

So funktionieren die Berliner Modellkitas

Acht Berliner "Modellkitas" sollen Beispiele dafür sein, wie Einrichtungen mit dem Thema Integration umgehen. Jede Kita ist in einem anderen Bezirk, hat andere soziale Strukturen, Räume und Konzepte. Die Vielfalt ist gewollt, denn es gibt nicht nur einen Weg, geflüchtete Kinder zu integrieren, erklären die Macherinnen im Interview.

Ein Blick vom Zuschauerraum auf die Bühne beim Fachtag der Modellkitas in Berlin
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Beim Fachtag der Modellkitas in Berlin tauschen pädagogische Fach- und Lehrkräfte ihre Erfahrungen aus

Marlies Knoops und Claudia Peil

Unsere Interviewpartnerinnen sind Marlies Knoops, Projektleitung der Vernetzungsstelle "Berliner Modellkitas für die Integration/Inklusion von Kindern aus Familien mit Fluchterfahrung" und Claudia Peil von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.

Wie kam es zur Auswahl der acht Modellkitas für Kinder geflüchteter Familien in Berlin?

Die Interviewte Claudia Peil
© Claudia Peil
Claudia Peil

Claudia Peil:  "Im Jahr 2015 sind rund 50.000 Geflüchtete in Berlin aufgenommen worden, wobei klar war, dass viele längerfristig bleiben werden. Angesichts dieser hohen Anzahl waren die Akteure der Stadtgesellschaft aufgerufen, Schritte und Maßnahmen zur Integration zu konzipieren und umzusetzen – daraus entstand der Masterplan 'Integration und Sicherheit' des Landes Berlin, der im Mai 2016 veröffentlicht wurde. Da unter den Geflüchteten auch zahlreiche Familien mit kleinen Kindern waren, enthält der Masterplan diverse Integrationsmaßnahmen im Bereich der Familienhilfe und der Kinderbetreuung. In der bestehenden Berliner Kita-Landschaft gibt es bereits zahlreiche Kita-Träger und Kitas, die Erfahrungen mit der Integration/Inklusion von Kindern aus Familien mit Fluchthintergrund haben, denn Berlin hat in der Vergangenheit schon vielfach geflüchtete Menschen und auch Menschen aus anderen Kulturkreisen aufgenommen. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, Kitas mit diesem Erfahrungsschatz miteinander zu vernetzen, deren Expertise weiterzuentwickeln und damit das Wissen zu bündeln. Im Sommer 2016 konnten sich interessierte Kitas bewerben, im September haben wir dann die acht Modellkitas ausgesucht."

Welche Rolle spielt die Diakonie?

Porträt von Marlies Knoops
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Marlies Knoops

Marlies Knoops:  "Der Verband Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder (VETK) im Landesverband der Diakonie, dem Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, füllt im Modellprojekt die Rolle der Vernetzungsstelle aus. Hier laufen die Fäden des Projekts zusammen. Über die Vernetzungsstelle wird der Arbeitskreis der Kitas organisiert. Hier werden die Erfahrungen und erprobten Arbeitsmaterialien gebündelt, Hospitationen, Fachgespräche und Fortbildungen organisiert und die konkrete Vernetzung auch über den Rahmen der Modellkitas hinaus durch Öffentlichkeitsarbeit und Fachaustausch gefördert."

Wie werden die Modellkitas finanziert?

C. P.:  "Die Vernetzungsstelle und die acht Modellkitas werden mit Mitteln aus dem Masterplan für Integration und Sicherheit des Landes Berlin finanziert."

Die Modellkitas sind Ansprechpartner zum Thema Integration und Inklusion.

Welches Ziel haben die Modellkitas?

M. K.: "Ziel der Modellkitas ist es, in einem ersten Schritt ihre Erfahrungen und Kenntnisse im Feld der Aufnahme und Eingewöhnung sowie der Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern mit Fluchthintergrund zusammenzutragen und zu reflektieren. Über den gezielten Fachaustausch sowie kollegiale Beratung, Fortbildungen und inhaltlich-methodische Inputs im Projekt werden diese dann weiterentwickelt und systematisiert. In einem zweiten Schritt werden die erworbenen Kenntnisse und der Erfahrungsschatz dann über ein konkretes Konsultationsangebot oder auch einem Berlin-weiten Fachtag, wie er im November vom Projekt organisiert wurde, dem erweiterten Kreis der Berliner Kitas zugänglich gemacht. Die Modellkitas sind hier Ansprechpartner zum Thema Integration und Inklusion von Kindern aus Familien mit Fluchterfahrung und bieten anderen Berliner Kitas die Möglichkeit, nach dem Prinzip 'Praxis berät Praxis' in den Fachaustausch einzusteigen, sich kollegial beraten zu lassen, bisherige Konzepte und Praxis zu reflektieren und mit neuen Anregungen weiterzuentwickeln."

Wie wurden sie ausgewählt, worauf haben Sie geachtet und welche Kriterien müssen die Kitas erfüllen?

C. P.:  "Die Kitas wurden auf Grundlage der eingereichten Interessenbekundungen durch das Kita-Referat der Bildungssenats ausgewählt.Wesentliche Kriterien dabei waren:

  • Bisherige sozialpädagogische Erfahrungen ('good practice') der Kitas und der Kita-Träger im Feld der Aufnahme, Eingewöhnung, Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern mit Fluchthintergrund
  • Erfahrungen im Feld 'Praxis berät Praxis'
  • Ideen zur Umsetzung des Projektes
  • Vernetzung mit Flüchtlingsunterkünften und weiteren Akteuren im Feld
  • Anzahl der betreuten Kinder mit Fluchthintergrund (Quote)
  • Möglichst ausgewogenen bezirkliche Verteilung der Kita-Standorte
  • Berücksichtigung der Trägervielfalt in der Berliner Kita-Landschaft."

Was erwarten Sie sich von dem Projekt?

M. K.: "Ich denke, das Projekt kann zum einen in den jeweiligen Bezirken der Modellkitas die Grundlage für ein funktionierendes, unterstützendes Netzwerk in der Arbeit mit geflüchteten Kindern und Familien, nämlich eine Anlaufstelle, die offen für Austausch und Fragen ist, stärken. Dafür müssen aber auch entsprechende Rahmenbedingungen in den Kitas über das Projektende hinaus gesichert werden. Zum anderen wird der überbezirkliche Austausch zum Thema Integration und Inklusion von Kindern mit Fluchterfahrung angeregt und begleitet. Und zwar auf mehreren Ebenen: Die Modellkitas selbst, aber auch die Kitas, die sich mit Fragen an die Modelleinrichtungen wenden, haben die Chance, über den üblichen Rahmen hinaus an den Erfahrungen und Erkenntnisse anderer Berliner Kitas teilzuhaben und einen Entwicklungsprozess in der eigenen Praxis anzuschieben oder weiter zu betreiben. Außerdem wird durch das Projekt auch der Austausch auf politischer Ebene intensiviert: Die zusammengetragenen Erfahrungswerte geben Aufschluss über die tatsächlichen Situationen vor Ort, über auftretende Schwierigkeiten und erfolgreiche Ansätze in der Praxis frühkindlicher Bildung und Erziehung. So können etwa auch Bedarfe identifiziert werden, die sich bei Kita-Trägern und ihren Einrichtungen im Prozess der Aufnahme und Betreuung von Kindern aus geflüchteten Familien ergeben, aus denen nachhaltige Handlungsstrategien entwickelt werden müssen.

Das Projekt soll auch ein deutliches Zeichen setzen, mit welcher Haltung die Berliner Kitas der Aufgabe gegenübertreten, da bedarf es auch im Anschluss an das Projekt eine nachhaltige Beschäftigung mit und entsprechende Förderung der interkulturellen Öffnung, die ja weit über den Ansatz der Integration und Inklusion im frühkindlichen Bildungsbereich hinausreicht. Denn das muss klar sein: Das Modellprojekt kann in seinem doch begrenzten Umfang da nur einen Einstieg in die Thematik markieren."

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