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Praxisbeispiele

Wie Sportprogramme Integration fördern

Sport erlaubt Kommunikation ohne Sprache. Wie können Kitas und Grundschulen das für sich nutzen? Wir stellen zwei Initiativen aus dem Südwesten vor.

Fünf Kinder und eine junge Frau hüpfen auf einem Bein durch den Raum
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Die Übungsleiterin trainiert Ausdauer, Kraft und Gleichgewichtssinn mit den Kindern

Um welche Initiativen geht es?

Das Programm "Kindergarten Kids in Bewegung" vom Landessportverband für das Saarland (LSVS) existiert bereits seit 2003, unterstützt vom Saarländischen Bildungsministerium. Kitas kooperieren mit Sportvereinen in der Region, um ihre Kinder zu Bewegung zu animieren. Dafür gibt es eine Förderung des Bildungsministeriums von bis zu 750 Euro. Übungsleiterinnen, Übungsleiter, Erzieherinnen und Erzieher besuchen gemeinsam Fortbildungen, um koordinative, konditionelle und emotionale Fähigkeiten der Kinder optimal wahrnehmen und fördern zu können.

"Kick für soziale Entwicklung" ist die Dachmarke für mehrere Fußball-Projekte in Freiburg, seit 2009 koordiniert von der Step Stiftung. Aus ursprünglich nur einer Mädchenfußball AG an einer Freiburger Werkrealschule sind inzwischen 13 Teams geworden, die unter dem Namen "Kick for Girls" zusammen spielen und trainieren. Der jährlich stattfindende Mädchenfußballtag von „Kick for Girls“ wurde gerade für den Integrationspreis 2017 des DFB nominiert. 2015 kam das Programm "Kick for Refugees" hinzu, in enger Zusammenarbeit mit Trägern von Wohnheimen, Aufnahmestellen und benachbarten Schulen.

Wie haben sie sich entwickelt?

"Jeder lernt von jedem", sagt Mona Schulz vom LSVS. Die Kitas können von Räumlichkeiten, Ressourcen und Personal des Vereins profitieren und stärken ihre Vernetzung in der Region. Zudem ermöglicht das Thema Bewegung den Kitaleitungen, Kontakte zu den Eltern auszubauen, die nicht zu Elternabenden erscheinen. Die Vereine wiederum hoffen, neue Menschen für ihr Angebot zu begeistern. Rund 200 Vereinseintritte pro Jahr verzeichnete der LSVS in der Folge von "Kids in Bewegung" und dem Folgeprojekt "Familie in Bewegung".

"Kick for Refugees" begann mit stark heterogenen Gruppen. Die Gruppenbildung unter den Kindern, die weniger Deutsch sprachen, sei stark gewesen, erklärt Projektkoordinatorin Maria Greshake. Dennoch sei aus den Aktivitäten gelebte Integrationskultur entstanden, sagt Stiftungsvorstand Dr. Berndt Tausch: "Ein permanenter Prozess, der uns alle im Team herausfordert, und der uns auch motiviert, die Angebote weiter zielgruppenorientiert anzupassen."

Erzieher und Übungsleiterin müssen gut miteinander arbeiten können.

Worauf kommt es an?

"Erzieher und Übungsleiter müssen gut miteinander können", sagt Frank Hanke. Deswegen sei es auch wichtig, die Fortbildungen gemeinsam zu besuchen. Sein Kindergarten St. Elisabeth in Saarbrücken kooperiert mit dem Verein "Power Out" zwei Straßen weiter. Übungsleiterin Maria Angelika De Barros Alves ergänzt: "Wichtig ist, dass das Programm ausgewogen ist. Neben Ausdauer trainieren wir auch Kraft und Gleichgewichtssinn."

Für Maria Greshake von "Kick for Refugees" war es wichtig, sich auf bestehende Strukturen einzulassen, Kooperationen und Bündnisse einzugehen sowie das Profil jeder Schule zu berücksichtigen: "Man muss nicht in jeder Schule ein Angebot haben", sagt sie. Bei der Verpflichtung ihrer Übungsleiterinnen achten die "Kick for"-Projekte außerdem auf ein langfristiges Engagement: "So können wir eine stabile Bindung zu Lehrern und Kindern aufbauen", meint Greshake.

Was ist bei der Arbeit mit geflüchteten Kindern besonders?

Eine Fußballmannschaft junger Mädchen mit zwei Trainerinnen
© step stiftung
"Kick for Girls" umfasst inzwischen 13 Teams in Freiburg

Beim Erklären der Übungen sei die Sprache anfangs ein Hindernis gewesen, meint Maria Angelika De Barros Alves. Die Kinder würden aber voneinander lernen. "Sobald die ersten Kinder etwas vorgemacht haben, ist Sprache kein Problem mehr." Einige geflüchtete Kinder, mit denen sie bisher gearbeitet habe, seien anfangs unausgeglichen oder schüchtern gewesen. Sie habe aber fast immer beobachten können, wie ihr Selbstbewusstsein von Woche zu Woche gewachsen sei.

Das Besondere an den "Kick for"-Projekten ist die kontinuierliche fachliche Begleitung der Übungsleiterinnen: Sie beginnen als Hospitantinnen, später erhalten Sie regelmäßige Supervision, um Theorie und Praxis durch gesteuerte Reflexion optimal zu verbinden. "Da der Heterogenitätsgrad innerhalb der Gruppe trotz gemeinsamer Fluchterfahrung extrem groß ist, sind die Übungsleiterinnen mit einer sehr herausfordernden Gruppendynamik konfrontiert, der nicht durch ausschließlich konkrete Handlungsanweisungen zu begegnen ist", erklärt Berndt Tausch. Deshalb entwickle die Stiftung im Rahmen ihres Projekts "Fortbildung mit Kick" derzeit auch neue Fortbildungsformate besonders für den didaktischen Umgang mit geflüchteten Kindern.

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