Direkt zur Hauptnavigation, zur Unternavigation dem Inhalt oder zum Seitenfuß

Erfahrungsbericht

Mehrsprachigkeit als Chance – ein Praxisbeispiel

Die Sprachbarriere ist eine große Herausforderung wenn es um die Integration von Kindern mit Flucht- oder Migrationshintergrund in Kitas und Grundschulen geht. Aber kann Mehrsprachigkeit auch ein Vorteil sein? Eine Kita, in der „nicht-deutscher“ Herkunft zu sein ganz normal ist, macht es vor.

Zwei Jungen schauen sich eine Landkarte an
"Da komme ich her!" Die Kinder wollen mehr über ihre Freunde erfahren und über die eigenen Wurzeln berichten

"So lebe ich, so leben meine Freunde"

Erzieherin Fotini Petsiou erinnert sich noch, wie alles begann. Sie sprach am Telefon der Kita in ihrer Muttersprache als ein Kind sie fragte: "Warum sprichst du so komisch?" Damit war das Interesse geweckt.  Die Mädchen und Jungen der Kita Ittlinger Straße in München entdeckten schnell, dass nicht nur die pädagogische Fachkraft eine weitere Sprache beherrschte. Die Kinder begannen zu erforschen, wie viele unterschiedliche Sprachen eigentlich in ihrer Kita gesprochen werden. Aus zehn Ländern kommen die Kinder und ihre Familien, und fast jedes der 50 Kinder hat einen Migrationshintergrund.

Aber wie klingen eigentlich Arabisch, Türkisch, Italienisch oder Englisch und wo spricht man so? Verstehen sich Kinder aus Serbien, Kroatien und Bosnien? Wegen des großen Interesses der Kinder an den verschiedenen Sprachen begann die Kita-Gruppe eine fünf Monate dauernde Forschung unter dem Motto "So lebe ich, so leben meine Freunde". Die Kinder wollten herausfinden: Wo liegen all die Länder? Wie lange muss man reisen, um dort hinzukommen? Was macht die Heimatländer der Kinder so besonders - ist das Wetter dort anders, was kann man dort sehen und was gibt es zu essen? Die Neugier der Kinder, mehr über ihre Freunde zu erfahren, war groß, und die Motivation, über die eigenen kulturellen Wurzeln zu berichten, nahezu grenzenlos.

Gemeinsamkeiten trotz Verschiedenheit

Mit einem Brief informierten die pädagogischen Fachkräfte die Eltern über das Projektvorhaben und baten die Familien um Beiträge aus ihren Heimatländern - von Trachten über Musikaufnahmen, Fotos von typischen Landschaften und besonderen Bauwerken bis hin zur Aufforderung, als "Kulturträger" mitzumachen. Für die Verständigung sorgten die Mädchen und Jungen selbst: Ältere Kinder dolmetschten für die jüngeren, wenn die etwas in ihrer Muttersprache berichten wollten. Und auch für Eltern, die sich in das Projekt einbringen wollten, aber nicht ausreichend Deutsch konnten, erarbeiteten die Kinder mit Hilfe der Erzieherinnen Übersetzungshilfen.

Ob bei Kochaktionen, Ausflügen oder Erzählstunden, die Kinder waren unermüdlich mit dem Erkunden ihrer Fragen beschäftigt. Das Projekt weckte bei allen die Faszination für kulturelle und sprachliche Vielfalt, die Wahrnehmung für sich selbst und für die anderen. Erzieherin Fotini Petsiou resümiert: "Trotz der Verschiedenheit haben wir viele Gemeinsamkeiten entdeckt." Und manchmal sind ja gerade die Unterschiede besonders schön. Die Kinder fanden zum Beispiel, Vietnamesisch klinge wie Musik.

Dieser Artikel ist in ähnlicher Form in der "Forscht mit!" (Ausgabe 2/2014), dem Magazin der Stiftung "Haus der kleinen Forscher", erschienen.

INFO:

Als Deutschlands größte Frühbildungsinitiative möchte die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" zu einer gelingenden Integration von geflüchteten Kindern im Kita- und Grundschulalter beitragen. Erfahren Sie hier mehr über das Service-Portal Integration.

Kommentar schreiben

*Pflichtfelder

Kommentar schreiben
Haus der kleinen Forscher auf Facebook Haus der kleinen Forscher auf Twitter Haus der kleinen Forscher auf Youtube