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Tipps

"Good Practice"-Beispiele in 6 Schritten selbst umsetzen

Überall, auch hier auf dem Service-Portal Integration, finden Sie gute Ideen aus anderen Einrichtungen. Diese „Good Practice“-Beispiele eins zu eins in den eigenen Alltag zu übertragen funktioniert aber in den seltensten Fällen. Ein Experte erklärt, was Sie stattdessen machen können.

Der Experte

Kai Milkereit ist Geschäftsführer der Consensa Projektberatung in Hamburg. Seine Firma unterstützt Teams in Unternehmen und Nonprofits mit einem systemischen Ansatz bei der Umsetzung von Projekten und Veränderungsprozessen.

"Wir können doch nicht die ersten sein, die dieses Problem haben." Diesen Satz bekommt Kai Milkereit von seinen Kunden immer wieder zu hören. Manchmal folgt darauf sogar die Frage, ob er nicht eine Datenbank mit Lösungen habe, aus der seine Firma die passende herausfischen könnte. Genau das sei aber leider nicht möglich, sagt er.

"Wir haben eine Sehnsucht danach, sehr große Fortschritte mit kleiner Energie erreichen zu wollen“, sagt Milkereit. Man könne die Lösung eines anderen aber nicht genauso bei sich umsetzen. In sechs Punkten schlägt der Projektberater stattdessen vor, mit Problembewusstsein zu beginnen und seinen Weg zum Ziel in kleinen Schritten immer wieder anzupassen.

1. Machen Sie sich bewusst, dass Good-Practice-Beispiele keine Lösungen, sondern Denkanstöße sind

Ein Junge schaut durch eine Form mit farbiger Folie
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Es hilft, den eigenen Denkrahmen zu verlassen

Vergegenwärtigen Sie sich, dass ein Good-Practice-Beispiel nicht wie ein Kochrezept funktionieren kann, weil in jeder Küche andere Zutaten vorhanden sind. Aber: Sich anzuschauen, was bei anderen funktioniert, kann helfen den eigenen Denkrahmen zu verlassen und einen Entwicklungsprozess zu starten. An dessen Ende wird nicht das gleiche stehen, was Sie gesehen haben, sondern etwas, das für Ihre Bedingungen passt.

Kai Milkereit: "Schauen Sie sich an, welche Lösung in Ihrer Einrichtung so gut ist, dass Sie selbst ein Good-Practice-Beispiel daraus formulieren könnten. Wahrscheinlich ist das, was Sie richtig gut können nicht irgendwann vom Himmel gefallen, sondern das Ergebnis eines längeren Prozesses. Eines Wegs, in dem es zwischendurch vielleicht auch Sackgassen und falsche Abzweigungen gab. Diesen Weg werden Sie auch für andere Veränderungsprozesse selbst beschreiten müssen."

2. Fragen Sie sich: Warum ist das Thema ein Thema?

Ein Mädchen hantiert mit Reagenzgläsern und denkt nach
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Warum ist das Thema ein Thema?

Bevor Sie sich nach Lösungen umsehen, sollten Sie versuchen, das Problem möglichst genau zu beschreiben. Dafür hilft es, sich alle Faktoren bewusst zu machen, die darauf einen Einfluss haben. Das können Vorgaben des Trägers sein oder zur Verfügung stehende Fördermittel. Am besten sollten in diese Überlegung alle miteinbezogen werden, die vom Thema betroffen sind, zum Beispiel alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Kita. Die große Frage hinter der Suche nach einer Lösung lautet: Warum genau wollen wir an einer bestimmten Stelle etwas verändern?

Kai Milkereit: "Unser Kopf ist dafür konditioniert, sofort Lösungen zu produzieren. Und Good Practices nähren das, weil sie scheinbare Lösungen anbieten. Aber das Formulieren des Problems ist wichtig, damit die Basis stimmt. Dazu gehört auch, dass andere gehört werden, die zum Thema vielleicht eine ganz andere Meinung haben als Sie selbst. Am Ende dieses Schrittes sollten Sie in der Lage sein, die Variablen im folgenden Satz zu füllen: Wir wollen X verbessern, weil Y."

3. Überlegen Sie, woran Sie eine gute Lösung erkennen

Ein Mädchen betrachtet nachdenklich einen kleinen Gegenstand
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Woran erkenne ich eine gute Lösung?

Dieser Schritt bedarf großer Sorgfalt. Nichts ist in einem Veränderungsprozess wichtiger, als dass bei allen Beteiligten ein gemeinsames Bild davon existiert, wohin die Reise gehen soll. Das schafft Klarheit! Idealerweise findet die Gruppe dieses Bild im Konsens. Vielleicht müssen Sie verschiedene Bedingungen priorisieren. Es kann zum Beispiel ein wichtiger Faktor sein, dass eine Lösung keine Mehrkosten erzeugt. Dann sollte dies Rahmen für die weiteren Überlegungen sein, dessen sich alle bewusst sind.

Kai Milkereit: "Machen Sie eine Gedankenreise: Wie fühlt sich eine Lösung an, die richtig gut ist? Hören Sie genau zu und fragen Sie nach, was die anderen sich vorstellen. Wenn es stockt, suchen Sie Beispiele von anderen Themen und anderen Erfahrungen, die Sie gemeinsam als gut empfinden."

4. Finden Sie heraus, was Sie als erstes ausprobieren möchten und forschen Sie los

Ein Junge pipettiert farbiges Wasser in Reagenzgläser
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Forschen Sie drauflos

Der entscheidende Absprung: Es wird verschiedene Optionen geben, die Sie ausprobieren können, vielleicht inspiriert durch Good-Practice-Beispiele. Aber es wird einen Weg geben, der (fast) allen am besten erscheint und der sich gut austesten lässt – auch wenn er vielleicht Mut verlangt. Machen Sie auf diesem Weg einen ersten, möglichst kleinen, aber wirksamen Schritt.

Kai Milkereit: "Streiten Sie nicht lange über die Lösungsmöglichkeiten, suchen Sie nicht nach der 100-Prozent-Lösung und halten Sie sich nicht zu lange mit Bedenken auf, auch wenn sie nachvollziehbar sind. Legen Sie los. Experimentieren Sie mit einer kleinen Idee, die Ihnen sinnvoll erscheint. Setzen Sie einen Zeitraum fest, an dessen Ende Sie schauen, ob Ihr Experiment Ihnen die erwarteten Ergebnisse gebracht hat."

5. Schauen Sie erst zurück, dann nach vorne

Ein kleiner Junge und eine junge Frau schauen sich an
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
Erst zurück, dann nach vorne schauen.

Nach zwei Wochen, nach einem Monat, nach einem halben Jahr – je nachdem, wieviel Zeit Sie sich gesetzt haben, sollten Sie sich anschauen, welche Erfahrungen Sie gesammelt haben: Was hat funktioniert? Was hat nicht funktioniert? Machen Sie sich bewusst, dass Sie auf Ihrem Weg in jedem Fall ein Stück weiter­ge­kommen sind.

Kai Milkereit: "Wenn Ihr festgelegter Zeitraum abgelaufen ist, werden Sie noch keine fertige Lösung haben. Aber Sie wissen, wie es ist, wenn Sie gemeinsam Dinge anders machen als bisher. Wo hat ihre experimentelle Lösung gut funktioniert und was passt noch nicht? Welche unerwünschten Effekte sind aufgetreten? Denken Sie an ihr gemeinsames Bild. Behalten Sie die guten Ansätze und lassen Sie Dinge sein, die für Sie nicht passen, und probieren Sie dafür etwas anderes aus."

6. Wiederholen Sie die Schritte 4 und 5

Zwei Mädchen schauen aufmerksam
© Stiftung Haus der kleinen Forscher
In kleinen Schritten geht es voran

Kehren Sie zu Punkt 4 zurück und überlegen Sie, was der nächste Schritt sein könnte. Wenn Sie sich in kleinen Schritten verändern und nicht sofort an den Grundsätzen rütteln, schafft das Leichtigkeit.

Kai Milkereit: "Versuch macht klug! Seien Sie mutig und, vor allem, agil. Das heißt: bleiben Sie beweglich und halten Sie sich die Option offen, regelmäßig einfach eine neue Richtung einzuschlagen."

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