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Praxisbeispiel

"Wir sind alle Lernende"

Eine gelungene Integration hängt von verschiedenen Faktoren ab. Welche Bedürfnisse haben die Kinder, welche die Erzieherinnen und Erzieher? Welche Rahmenbedingungen herrschen im jeweiligen Bundesland und welche in der Kita oder Schule? In unserer neuen Reihe "Beispiele aus der Praxis" stellen wir Erfahrungen und Eindrücke von Kitaerzieherinnen und Kitaerziehern vor.

Die Kita

  • städtische Kita Kinderinsel
  • Ansprechpartnerin: Marion Körner (Kita-Leiterin)
  • Ort: Halle (Saale)
  • Kinder: 130 Plätze; etwa 50% Kinder mit Migrationshintergrund; 15 verschiedene Nationalitäten

Was verstehen Sie unter einer gelungenen Integration?

Marion Körner: "Das Ziel unserer Kita ist nicht die Integration einiger Kinder, sondern die Inklusion aller Kinder. In einer inklusiven Kita ist es normal, verschieden zu sein. Jeder ist willkommen."

Welches sind aktuell die größten Herausforderungen für die Kita Kinderinsel auf dem Weg zur gelungenen Inklusion?

Kita-Leiterin Marion Körner in der Kita Kinderinsel
Kita-Leiterin Marion Körner berichtet von ihren Erfahrungen und Eindrücken in ihrer Kita

M. K.: "Herausforderungen finden sich auf unterschiedlichen Ebenen: 
Um Inklusion in unserer Kita entsprechend den gesetzlichen Vorgaben zu verwirklichen, fehlen sowohl räumliche als auch personelle Gegebenheiten. Es bräuchte Helfersysteme entsprechend den Bedarfen, zum Beispiel Heilpädagogen, Psychologen, Integrationshelfer oder Sozialarbeiter. Herausforderungen können auch sprachliche Barrieren sein, zum Beispiel wenn wir mit Eltern kommunizieren, die nicht so gut Deutsch sprechen. Bei vielen Gesprächen gehört für uns der Laptop mit Übersetzungsprogramm dazu. Kniffliger wird es, wenn wir den Eltern "mal eben" etwas zwischen Tür und Angel sagen möchten. Wir haben auch festgestellt, dass viele Eltern Probleme hatten, unsere ausgehängten Mitteilungen zu lesen. Handschriftliches ist für manche Nicht-Muttersprachler schwierig zu lesen – seitdem drucken wir alles mit dem PC aus. Vor allem aber sind es bürokratische Hürden bei der Anmeldung der Kinder, die uns beschäftigen. Der Vorgang ist komplex und schwer verständlich. Natürlich umso mehr, wenn die Deutschkenntnisse nicht so gut sind."

Gibt es schon Maßnahmen, die gut klappen?

M. K.: "Unsere Kita kooperiert mit dem Familienbildungszentrum in Halle. Von dort bekommen wir personelle Unterstützung: Unsere Ansprechpartnerin hilft uns bei der Elternarbeit und übernimmt zahlreiche Aufgaben, wie die Übersetzung von Elternbriefen und vieles mehr. Für uns ist das extrem hilfreich. Außerdem arbeiten wir mit einem Familienintegrationscoach zusammen. Der Coach betreut Familien ganzheitlich und individuell, unterstützt zum Beispiel Familienmitglieder in Vorbereitung auf eine Arbeitsaufnahme."

Können MINT-Experimente bei der Integration von Kindern helfen?

Kinder verschiedener Nationen warten gespannt
Kinder sind neugierig und lernen schnell.

M. K.: "Tatsächlich forschen wir regelmäßig im MINT-Bereich. In jeder unserer Gruppen findet sich eine Forscherecke. Wir fördern aber auch MINT im Alltag. Jetzt im Advent gibt es bei uns in der Kita eine Ausnahmeregelung unseres Trägers, die uns erlaubt, dass wir während des Frühstücks auf jedem Tisch ein Teelicht anzünden. Dies wird natürlich extra beaufsichtigt und wir bereiten die Kinder auch darauf vor. Kinder wie Eltern finden diese Atmosphäre besonders gemütlich. Wir experimentieren dann mit unterschiedlichen Wärmequellen oder schauen, auf welche Weise man Kerzen ausmachen kann. Und ganz nebenbei lernen die Kinder, wie man Kerzen umgehen soll. Und wir nutzen alltagsintegrierte Sprachentwicklung, um den Wortschatz zu erweitern. Unser zweijähriger Louis hat beispielsweise gelernt, dass ein Teelicht keine Laterne ist. Den Begriff kannte er vom Laternenfest. Alle Kinder halten sich auch an die Regeln zum Umgang mit der Kerze, denn alle wollen zeigen, dass sie schon damit umgehen können."

Wie wird Weihnachten in der Kita Kinderinsel gefeiert?

M. K.: "In unserer Kita gibt es einen Adventskranz und immer montags im Dezember ein Adventssingen mit kleinem Kulturprogramm. Die Familien, die zu Hause nicht Weihnachten feiern, lassen das aber zu, denn es gibt gegenseitiges Verständnis und Wertschätzung füreinander und für unterschiedliche Traditionen und Bräuche. Jede Familie feiert Weihnachten anders. Wir haben das vor zwei Jahren aufgegriffen und so entstand das Projekt: "Weihnachten in aller Welt". Dabei wurden alle mit einbezogen, unabhängig davon, ob in den Heimatländern Weihnachten gefeiert wird oder nicht."

Wie haben Sie den Kindern in Ihrer Einrichtung die verschiedenen Traditionen spielerisch vermittelt?

M. K.: "Wir haben eine fiktive Zugreise in die Länder unternommen, aus denen unsere Kita-Kinder oder deren Eltern stammen. Zwei Kinder führten als Schaffner durch die Veranstaltung und stellten die Länder kurz vor und es gab dann tolle Vorführungen dazu: Eine Mutter aus Benin, die zu dem Zeitpunkt kaum Deutsch sprach, hat einen Tanz aufgeführt, aber auch Kinder tanzten, ein russisches Gedicht wurde vorgetragen und türkische Lieder gesungen. Den Eltern hat es viel bedeutet, dass Lieder aus ihrer Heimat gesungen worden sind; das hat auch was mit den Eltern gemacht. Hinterher gab es einen regen Austausch und spannende Anknüpfungspunkte: denn wir sind alle Lernende."

INFO:

Als Deutschlands größte Frühbildungsinitiative möchte die Stiftung "Haus der kleinen Forscher" zu einer gelingenden Integration von geflüchteten Kindern im Kita- und Grundschulalter beitragen. Erfahren Sie hier mehr über das Service-Portal Integration.

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