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Praxisbeispiel

"Schön, dass du hier bist!"

Eine gelungene Integration hängt von verschiedenen Faktoren ab. Welche Bedürfnisse haben die Kinder, welche die Erzieherinnen und Erzieher? Welche Rahmenbedingungen herrschen im jeweiligen Bundesland und welche in der Kita oder Schule? In unserer Reihe "Beispiele aus der Praxis" stellen wir Erfahrungen und Eindrücke von pädagogischen Fach- und Lehrkräften vor.

Grundschulkinder sitzen im Sitzkreis und melden sich
Eine gelungene Integration hängt von verschiedenen Faktoren ab © iStock/vgajic

Die Grundschule

  • Ganztagsgrundschule an der Karl-Lerbs-Straße
  • Ansprechpartner: Manfred Fuhrmann (Rektor)
  • Ort: Bremen
  • Kinder: 340 Schülerinnen und Schüler

Am Gespräch teilgenommen haben Anna Putintseva (Vorkurslehrerin), Tristan Ebert und Charlotte Lug.

Was verstehen Sie unter einer gelungenen Integration?

Anna Putintseva: "Gelungene Integration, das ist, wenn die Kinder viel lachen, mit anderen (auch deutschen) Kindern spielen und eine Basis für gute Bildung bekommen."

Welches sind aktuell die größten Herausforderungen für die Schule auf dem Weg zur gelungenen Integration?

Charlotte Lug: "Die Kinder individuell da abzuholen, wo sie gerade sind und entsprechend ihrer Stärken und Schwächen zu fördern. Weil ja nicht 22 Kinder in einer Klasse sind, die auf dem gleichen Lernniveau sind, sondern 22 individuelle Charaktere, die alle individuell gefördert werden sollen. Und das finde ich schwierig."

Tristan Ebert: "Ich finde es auch schwierig herauszufinden, auf welchem Stand die Kinder sind. Denn wenn wir Glück haben, erfahren wir am Freitag, dass am Montag ein neues Kind in die Klasse kommt. Und dann soll man schnell Lösungen entwickeln. Dabei sind wir mit dem Regelunterricht schon gut ausgelastet. Ich würde mir auch Material wünschen, mit dem ich feststellen kann, auf welchem Lernstand das Kind ist. Ich finde es schade, dass die Kinder nicht behutsam auf die neue Situation vorbereitet werden. Sie sind vom ersten Moment an 'voll integriert' - was in dem Fall meint, sie sind da, an dieser riesigen Schule. Es ist keine Zeit da, dass eine pädagogische Fachkraft das Kind herumführt und ihm alles zeigt. Im Moment wird das alles über die anderen Kinder abgeleistet."

Wie gestaltet sich die Verständigung mit den Eltern der geflüchteten Kinder?

C. L.: "Meiner Erfahrung nach wollen die Eltern sich engagieren und informieren. Als wir Fasching gefeiert haben, hatten wir die Eltern gefragt, ob sie etwas Kulinarisches beisteuern könnten und da waren die Eltern trotz Sprachbarrieren voll dabei und haben Köstlichkeiten aus ihrer Heimat mitgebracht. Man sieht richtig, dass sie mitwirken wollen. Aber manchmal ist die Kommunikation trotzdem schwierig. Ich habe einen Papa, der mit seinem Handy und dem 'google translator' unsere Gespräche übersetzt. Er will wissen, wie er noch helfen kann und welche Materialien sein Kind braucht, aber das gestaltet sich immer so holprig. Wenn man einen Dolmetscher hätte, auf den man zurückgreifen könnte, das wäre super."

T. E.: "Wir hätten außerdem gerne eine 'Willkommen an unserer Schule'-Broschüre. Am liebsten gleich in fünf Sprachen. Und eben – wie gesagt – einen besseren Zugriff auf Dolmetscher bei anstehenden Gesprächen."

Gibt es schon Maßnahmen, die gut klappen?

Kinder sitzen in der Grundschule am Tisch
Gemeinsam macht Lernen Spaß © iStock/petrograd99

T. E. : "Wir haben an der Schule einen Vorkurs für Kinder, die aus einem anderen Land kommen und noch kein Wort Deutsch sprechen. Dort lernen die Kinder in einem Intensivkurs Deutsch. Für die Erstklässler haben wir außerdem einen speziellen Förderkurs. Und wir sind sehr dankbar, dass es den Vorkurs und den Förderkurs an unserer Schule gibt. Das unterstützt uns sehr."

Was sind die Besonderheiten beim Vorkurs?

A. P.: "Im Vorkurs haben wir immer eine starke Fluktuation. Außerdem sind manche Kinder weder alphabetisiert noch schulgewohnt. Die Kinder brauchen Zeit zum Ankommen, aber auch Strukturen und klare Regeln. Gerade wenn Konflikte aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse aufkommen, sind diese schwieriger zu klären. In meinem Kurs sind aktuell sechs Kinder mit Fluchthintergrund. Zwei davon haben keine innere Ruhe. Ein Kind erzählte von der Flucht und berichtete davon, dass ein Hai ein Boot umgeworfen hat. Ich habe zugehört und gefragt, ob das Kind Angst hatte. Am Ende konnte ich sagen: 'Schön, dass du jetzt hier bist!'"

Können die MINT-Fächer und Forscherideen bei der Integration von Kindern helfen?

C. L.: "Es gibt viele Möglichkeiten zur Sprachförderung. Aber ich finde schon, dass die naturwissenschaftlichen Fächer einen wichtigen Teil beitragen."

T. E.: "Bei den naturwissenschaftlichen Fächern gibt es ein eingeschränktes Vokabular, gerade im ersten Schuljahr. Außerdem kann das naturwissenschaftliche Begreifen auch nonverbal erfolgen, das geht ganz ohne Sprache."

C. L.: "Besonders in Mathe. Das ist egal, welche Sprache du sprichst. Da blühen die Kinder, die in der Sprache noch nicht so gut sind, auf und merken: 'Jetzt bin ich stark, jetzt kann ich mithalten!'"

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