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Andere Länder, andere Gesten:
Ohne Worte

Im vierten und letzten Teil der Reihe "Andere Länder, andere Gesten" zeigen uns die Kinder der Willkommensklasse der "Grundschule am Mohnweg" noch einmal drei weit verbreitete Gesten.

1. Zwei Finger zum Mund – Respekt

Ein Mädchen legt Zeigefinger und Mittelfinger auf die Lippen
Zwei Finger zum Mund – diese Geste ist eine verkürzte Ausführung des offiziellen Salem-Grußes.

Die Spitzen von Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger der rechten Hand tippen kurz an die Lippen und werden dann schräg nach oben vom Mund weggeführt, während der Kopf sich vorneigt. Diese weit verbreitete Geste ist eine verkürzte Ausführung des offiziellen Salem-Grußes.

In der kompletten Version wird die Hand zuerst an die Brust, dann an den Mund und schließlich an die Stirn geführt, während der Gestikulierende sich verneigt. Die drei Teile der Geste sollen ausdrücken: "Ich schenke dir mein Herz, meine Seele und meinen Geist." In der weniger westlich orientierten arabischen Gesellschaft nimmt dieser Gruß den Platz des Händeschüttelns ein.

2. In den Finger beißen – Glück gehabt

Der Zeigefinger wird seitlich in den Mund gelegt, gebissen und dann wieder herausgenommen und geschüttelt. Der Bewegung liegt die Idee zu Grunde, dass der bedrohte Finger Glück hatte und der Gefahr entrinnen konnte.

3. Zeigefinger – Ich habe kein Geld

Die gestikulierende Person steckt den gestreckten Zeigefinger in den Mund, saugt kurz daran und zieht ihn wieder heraus.

Wie stellt jemand im Arabischen "Respekt", "Glück gehabt" oder "Ich habe kein Geld" dar?

Vorsicht!

Einige Handzeichen, die wir vollkommen selbstverständlich verwenden, haben in anderen Ländern eine ganz andere Bedeutung. Hier kann es zu unbeabsichtigten Missverständnissen kommen. Nachfolgend finden Sie zwei Beispiele:

Eine Hand mit erhobenen Daumen
"Daumen hoch"

Daumen hoch!

In Deutschland benutzen wir diese Geste als Ausdruck von Zustimmung oder um zu zeigen, dass wir etwas "Gut" oder "Toll" finden. Mit dieser Bedeutung benutzen Sie die Geste vielleicht auch, um Kinder zu loben.

Hier ist große Vorsicht geboten: In arabischsprachigen Ländern und Kulturen, aber auch in anderen Ländern,  stellt der erhobene Daumen ein Phallussymbol dar und ist eine schwere Beleidigung. In der Türkei gilt die Geste als Aufforderungssignal unter Homosexuellen.

Da diese Geste große Ähnlichkeit mit dem "Tramperdaumen" aufweist, winken Anhalter z.B. in kulturellen Kreisen, wo die beleidigende Daumengeste verbreitet ist, mit der flachen Hand.

Zeigefinger und kleiner Finger zeigen nach oben, um die Ohren eines Fuchses anzudeuten, Mittelfinger und Ringfinger werden gegen den Daumen gepresst, um das Maul eines Fuches zu imitieren.
"Leisefuchs"

Leisefuchs

Viele von Ihnen kennen den "Leisefuchs" aus dem Alltag in der Kita oder Grundschule : Steigt der Lärmpegel, streckt die pädagogische Fach- oder Lehrkraft Zeigefinger und kleinen Finger nach oben, um die Ohren eines Fuchses anzudeuten, und presst Mittelfinger und Ringfinger gegen den Daumen, um das Maul eines Fuchses zu imitieren. Der "Leisefuchs" spitzt seine Ohren und hält sein Maul geschlossen, die Kinder sollen es machen wie er: Aufmerksam zuhören und nicht mehr sprechen.

Diese markante Geste ist aber auch das Erkennungszeichen der umgangssprachlich als "Graue Wölfe" ("Bozkurtlar") bezeichneten Anhänger der rechtsextremen türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung (Milliyetçi Hareket Partisi): Daumen und Finger des rechten ausgestreckten Arms formen den Kopf eines Wolfes.

Als Feindbilder sehen die "Grauen Wölfe" – neben Juden, Christen, Armeniern, Griechen, Israel, der EU und den USA – vor allem Kurden. Die Grauen Wölfe verbreiten auf einschlägigen Internetseiten und bei Veranstaltungen nationalistisches und rassistisches Gedankengut, es kommt immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und Übergriffen auf Andersdenkende. Für kurdische Mädchen und Jungen, aber auch für Kinder mit türkischen Wurzeln, kann der Einsatz des "Leisefuchs" in der Kitagruppe befremdlich, im schlimmsten Fall sogar verstörend wirken.

Quelle: Verfassungsschutzbericht 2015

Info

Wir danken den Mädchen und Jungen der Willkommensklasse der "Grundschule am Mohnweg" und Frau Dr. Silva Ladewig, Professurvertretung am Lehrstuhl für Sprachgebrauch und multimodale Kommunikation an der Europa-Universität Viadrina, für die Unterstützung.

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